Im RADIO : Kleinstädte und Swingerclubs

Biedere Helden, ein Stadt in Tschetschenien und König Midas: Unsere Tipps für die nächsten Radiotage.

Tom Peuckert

Eine friedliche Kleinstadt im Amerika der 50er-Jahre. Hier lebt Ragle Gumm, Hauptfigur in Philip K. Dicks Hörspiel „Zeit aus den Fugen“. Ein biederer Held, der allerdings regelmäßig etwas Überraschendes vollbringt. Woche für Woche sagt er im Quiz des lokalen Fernsehsenders die richtige Lösung voraus. Eine Petitesse, könnte man meinen, aber Ragle Gumm ist da nicht mehr so sicher. Irgendetwas stimmt nicht in seiner Welt. Alles scheint Kulisse, nur er ist echt. Gumm macht sich auf die Suche nach einer furchtbaren Wahrheit (Deutschlandfunk, 6. September, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

 

Die Spuren zweier Kriege sind weitgehend beseitigt, es gibt prächtige Neubauten und glitzernde Shoppingmalls. Gisela Erbslöhs Feature „Grozny“ erzählt aus einer Stadt, die nach Jahrzehnten des Schreckens wieder normal erscheinen will. Die Schlachten zwischen russischer Zentralmacht und tschetschenischen Separatisten sind geschlagen, Putins Truppen haben gewonnen, jetzt herrscht Ruhe. Aber Normalität ist in Grozny nur eine brüchige Fassade, dahinter zeigt sich unbarmherziger Zwang. Gewalt regiert, vor allem Frauen sind die Opfer (Kulturradio vom RBB, 7. September, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

König Midas wünschte, alles unter seinen Händen möge zu Gold werden. Die Gier wurde grausam bestraft, das Schicksal des Königs gilt noch heute als Lehrbuchfabel. In Ingeborg Breuers Feature „Genug ist nie genug“ geht es um eine allzumenschliche Untugend. Schopenhauer sah die Gier als wichtigste Triebkraft des Lebendigen, Hirnforscher glauben, dass die Gier nach Reichtum schon in den Genen verankert ist. Mit moralischen Appellen lässt sich der Gier also nicht beikommen. Ein Feature über Betrüger aller Grade, allzu strebsame Banker, notorisch Geizige und andere Repräsentanten der Gier auf Erden (Deutschlandfunk, 7. September, 20 Uhr 05).

 

Schon mal im Swinger-Club gewesen? Wer hier Nachholbedarf hat, kann Autor Michael Lissek auf einem ethnologischen Streifzug durch die deutsche Swinger-Szene begleiten. Lisseks Feature „Die Traurigkeit der Körper“ erzählt von Betreibern und Gästen einschlägiger Etablissements. Was wird gesucht, was geboten? Voyeure dürfen sich an der präzisen innenarchitektonischen Beschreibung einer modernen Lasterhöhle erfreuen: offene Landschaft für Großgruppen, Separees für die Teamarbeit im kleinen Kreis, Spielplätze mit viel technischem Zubehör. Zur Orgie wird dann Bulette mit Gürkchen gereicht (Deutschlandradio Kultur, 10. September, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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