Im RADIO : Licht im Dunkel

Lausbubengeschichten, Konsumkritik: Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Genau neun Stationen einer Busfahrt dauert das Hörspiel „Buus Halt Waterloo“ von Judith Stadlin und Michael Orsouw. Draußen peitscht der Regen, drinnen reden die Passagiere in einer sehr komischen, sehr poetischen Kunstsprache. Jedes Wort dieses Hörspiels ist ein deutscher, Schweizer oder österreichischer Ortsname. Die schier unglaubliche Fülle diesbezüglicher Angebote haben die Autoren genutzt, um ein skurriles Panorama menschlicher Typen und Leidenschaften zu entwerfen (Kulturradio vom RBB, 14. Dezember, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Ausgerechnet am Heiligen Abend erscheint bei Privatdetektiv John McPherson eine Klientin. Ihr Verlobter ist spurlos verschwunden. Der dreiteilige Hörspielkrimi „Fröhliche Weihnachten“ von Karl Richard Tschon lässt McPherson zwischen Weihnachten und Neujahr in einen Strudel gewalttätiger Ereignisse geraten. Der tote Verlobte wird gefunden, weitere Leichen tauchen auf, alle handelnden Figuren haben ein Doppelleben. Erst am Silvesterabend kommt plötzlich Licht in das Dunkel (Deutschlandfunk, 15. Dezember, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz; weitere Folgen am 22. und 29. Dezember).

In der Langen Radionacht „Ritzeratze! Voller Tücke, in die Brücke eine Lücke …“ erzählen Markus Metz und Georg Seeßlen Lausbubengeschichten. Das Autorenduo hat Strukturen und Erscheinungsformen des gemeinen Lausbubenstreiches studiert und fragt nach tieferen Gründen für sein Gelingen oder Scheitern. Die pubertäre Missetat als anthropologisches Exempel (Deutschlandradio Kultur, 15. Dezember, ab 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Es gibt Philosophen, die im Kaufakt eine Immunisierung gegen fundamentalistisches Denken entdecken. Wer gern shoppen geht, wird Fanatikern aller Zungen keinen Glauben schenken. Doch an Kritikern solcher Thesen mangelt es nicht. Der „Hyperkonsumismus“ der westlichen Welt infantilisiere den Menschen und gefährde die Demokratie. Im Feature „Shop till you drop“ erzählen Ingeborg Breuer und Peter Leusch von Lust und Tücken des Konsums. Neben dem Streit der Gelehrten bietet das Feature eine kleine Phänomenologie des Konsumenten. Vom Junkie über den Gelegenheitskäufer bis zum Verweigerer (Deutschlandfunk, 16. Dezember, 20 Uhr 05).

1 Kommentar

Neuester Kommentar