Im Radio : Lieblingshelden, Intrigensümpfe

Die Radiotipps der Woche: Ein Kinderhörspiel über Robinson Cruseo, ein Krimi, der am Frankfurter Flughafen spielt.

Tom Peuckert

Analphabeten sind schweigsame Menschen, die alles tun, um ihren Makel zu verbergen. Die Tricks, mit denen die Umwelt getäuscht wird, sind zahlreich, die Momente der Verzweiflung häufig. Das Feature „Immer im Verborgenen“ von Maren-Kea Freese und Marianne Wendt führt tief in das Innere eines dunklen Kontinents. Die Autorinnen befragen Politiker, Sozialpädagogen, Lehrer und Arbeitsvermittler. Trotz allgemeiner Schulpflicht gibt es in Deutschland mehrere Millionen Analphabeten. Ein sozialer Missstand, gegen den erstaunlich wenig getan wird (Kulturradio vom RBB, 5. April, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Daniel Defoes 1719 erschienenes Buch „Robinson Crusoe“ war der erste Roman der englischen Literatur. Seine Hauptfigur wurde zum Lieblingshelden vieler Generationen. Robinsons Tatkraft und praktische Vernunft, nebst einiger moralischer Glanzleistungen, stellten dem weißen Mann ein blendendes Führungszeugnis aus. Autor Holger Teschke hat aus der Fabel ein Kinderhörspiel gemacht (Deutschlandradio Kultur, 6. April, 14 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Bei Erweiterungsbauten für den Frankfurter Flughafen wird eine Leiche gefunden. Seit mehr als 25 Jahren liegt ein Forstarbeiter im Boden, neben ihm eine Kontaktlinse, die einer weiblichen Person gehörte. Im Radiokrimi „Vernagelt“ von Ulrich Land muss Kommissar Droemel tief im Vergangenen wühlen. Droemel war an den Kämpfen um die Startbahn West beteiligt, nun hat er einen Sumpf aus Intrigen und Gegenintrigen trockenzulegen. Politik, Liebe, Liebesverrat (Deutschlandradio Kultur, 7. April, 21 Uhr 33).

In seinem Prosagedicht „Ajax zum Beispiel“ schlug Heiner Müller Anfang der neunziger Jahre den Bogen von der Antike bis in die Gegenwart. Im Bild des mythischen Verlierers Ajax, der vor Troya um die Früchte seiner Heldentaten gebracht wird, erkannte der Autor sich selbst. Nach dem Ende des kommunistischen Experiments war er ein Sänger ohne Land und ein Poet der verlorenen Utopie. Müllers wortgewaltiges (Selbst-) Porträt eines historischen Verlierers gibt es auch in einer schönen Hörspielfassung (Deutschlandfunk, 8. April, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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