Im RADIO : Lug und Trug

Rebell, Rebell: Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollte.

Tom Peuckert

Wer auf der Straße lautstark protestiert, wer im Parlament eine ganz andere Politik fordert oder in der Kunst nach neuen Formen sucht, wird noch immer gern Rebell genannt. Dabei leben wir heute weit entfernt von wirklichen Aufständen oder Revolutionen. Der Radioessay „Wirkliche Rebellen, falsche Rebellen?“ von Michael Böhm untersucht den sozialen Protest in der Mediengesellschaft (Kulturradio vom RBB, 28. Februar, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Zwei Paare haben Jahrzehnte ihres Lebens glücklich miteinander verbracht. Doch am Ende scheint alles nur Lug und Trug gewesen sein. Die Gefühle bloß vorgegaukelt, das innige Miteinanderleben nur simuliert. Im Hörspiel „Illusionen“ des Russen Iwan Wyrypajew offenbaren vier Lebenspartner immer neue Möglichkeiten der Täuschung und Selbsttäuschung. Das Hörspiel ergänzt den Diskurs über die Liebe um ein paar verstörende Anmerkungen (SWR 2, 3. März, 18 Uhr 20, Kabel UKW 107,85 MHz).

Die kreative Klasse ist für die moderne Ökonomie unverzichtbar. Sie erfindet nicht nur neue Produkte, sondern vor allem neue Bedürfnisse. Wirtschaftsforscher sagen, dass nur jene Städte künftig wachsen werden, die für Kreative reizvoll sind. Das Feature „Der Boheme-Faktor“ von Nina Hellenkemper reflektiert das Leben der Kreativen in den deutschen Großstädten. (Deutschlandfunk, 3. März, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

„Wurfsendung“ heißt ein Mikroformat beim Deutschlandradio. Die Sendung dauert maximal 45 Sekunden und wird sechsmal täglich ins Programm „geworfen“. Seit fast zehn Jahren gibt es die Wurfsendungen, und Autorin Julia Tieke zieht Bilanz. Ihr Feature „Diskurs: 99 Wurfsendungen“ präsentiert Highlights des Genres und reflektiert eine Erfindung, die bisher 2000-mal dem Publikum präsentiert wurde (Deutschlandradio Kultur, 4. März, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Kurz nach der großen Explosion kommandiert die russische Regierung tausende Männer ins Kraftwerk Tschernobyl. Fast ohne Schutzkleidung, nur mit Schaufeln in der Hand, sollen sie die Folgen der Katastrophe eindämmen. Das Feature „Verstrahlter Ruhm“ von Axel Reitel erzählt von den sogenannten Liquidatoren. Über eine Dreiviertelmillion hat es gegeben, die Zahl der bisher an Strahlenkrankheiten Verstorbenen kennt man nur als Dunkelziffer (Deutschlandfunk, 5. März, 19 Uhr 15). Tom Peuckert

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