Im RADIO : Medien, Macht und Martha

Vor genau 30 Jahren, am 17. April 1979, erscheint die erste Ausgabe der „taz“. Eine neue Zeitung taucht auf, die nicht nur anders sein will, sondern auch anders ist.

Tom Peuckert

Dreißig Jahre später schauen frühe Aktivisten und heutige Blattmacher auf die eigentlich unmögliche Erfolgsgeschichte zurück. Tatsächlich gab es mit Ausnahme der „taz“ keine nennenswerten Tageszeitungsneugründungen in Deutschland, einmal abgesehen nur vom Wirtschaftsblatt „Financial Times Deutschland“. Autor Detlef Berentzen, selbst „taz“-Journalist der ersten Stunde, hat sie alle vor sein Mikrofon geholt. Das Feature „30 Years After“ führt von den Anfängen im ideologisch brodelnden West-Berlin bis zum Alltag im neuen Deutschland, der für die „taz“ auch im dreißigsten Jahr ihrer Existenz nicht unkomplizierter geworden ist (Kulturradio vom RBB, 15. April, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Der Berliner Medienwissenschaftler Matthias Eckoldt hat unlängst ein Buch über die abgründige Macht der Massenmedien publiziert. Ohne Massenmedien, so Eckoldt, bräche unsere Gesellschaft in viele Gruppen auseinander, die einander nichts mehr zu sagen hätten. Der permanente Diskurs der Sendestationen und Zeitungen ist ebenso breit wie flach, aber vor allem ist er unhintergehbar. Er bestimmt unsere Grundannahmen über die Wirklichkeit und formatiert sämtliche Möglichkeiten, darüber zu reden. „Was unsere Welt zusammenhält“ hat Eckoldt einen Radioessay betitelt, der die Thesen seines Buches vorstellt (Kulturradio vom RBB, 16. April, 22 Uhr 04).

Seit fünfzig Jahren gibt es Bürgerkrieg in Kolumbien, ein Ende ist nicht absehbar. Eine halbe Million Tote, ein Vielfaches an Vertriebenen, dazu spektakuläre Entführungen, die auch europäische Nachrichtenzentralen erreichen. Autorin Sibylle Tamin ist nach Kolumbien gefahren. Ihr Feature „Um Gottes Willen, Kolumbien“ erzählt von einer Reise durch die Extreme. Einerseits anmutig wilde Landschaft, die europäische Besucher zum Träumen bringt. Andererseits Slums in den Metropolen, deren Dimension unsere Vorstellungskräfte sprengt. Die Reisende findet ein Land voll Gewalt, Feindseligkeit und Misstrauen. Aber sie trifft auch auf Menschen, deren Gastfreundschaft und Lebenslust alle düsteren Erlebnisse überstrahlen (Deutschlandradio Kultur, 18. April, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Im feinen Wiesbaden werden binnen dreier Tage zwei ältere Damen in ihren Wohnungen erwürgt. Eine erste Spur führt ausgerechnet zum Vater des ermittelnden Hauptkommissars. Dieser Camillo Falk ist Fotograf und hat die Frauen vor langer Zeit gemeinsam für einen Bildband porträtiert. Nun muss der Sohn zur Kenntnis nehmen, dass auch die zweite und dritte Spur zu seinem Vater führt. Im neuen Radio-Tatort aus Hessen „Laute und leise weibliche Schreie“ lässt Autor Helmut Krausser Vater und Sohn nun gemeinsam einen Fall lösen, mit dem sie mehr zu tun haben als ihnen lieb ist (Kulturradio vom RBB, 20. April, 22 Uhr 04).

Die junge Martha lebt allein in der großen Stadt. Ihren tristen Berufsalltag verbringt sie in einem Übersetzungsbüro. Marthas eigentliche Existenz findet in Tagträumen statt. Sie läuft in der Stadt neben fremden Menschen her, beobachtet sie und malt sich ihr Leben aus. Bevor der Begleitete davon etwas merkt, hat sich Martha schon einem anderen angeschlossen. Das Hörspiel „Nebeneinander Gehen“ von Dunjy Arnaszus erzählt, wie der zarte Großstadtsingle Martha eines Tages aus den Luftschlössern seiner Fantasie entführt wird. Von einem Mann, der weiß, wie man träumende Elfen bändigt (Deutschlandfunk, 21. April, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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