Im RADIO : Moral im Gehen, letzte Worte

Medikamente für soziales Verhalten, Gehen als Therapie und Drogenprotokolle von William S. Burroughs: Tom Peuckert verrät, was man im Radio nicht verpassen sollte.

Auf dem Markt für legale Psychodrogen jagt eine Revolution die nächste. Ständig werden neue Pharmaka entwickelt, die effizienter und nebenwirkungsärmer seelische Probleme lösen wollen. Lydia Hellers Feature „Medikamente für mehr Moral?“ interessiert sich für Substanzen, die auf soziales Verhalten Einfluss nehmen. Hormone, die Aggressionen dämpfen, Neurotransmitter, die das Verantwortungsgefühl steigern. „Moral Enhancement“, moralische Verbesserung, heißt die heiß diskutierte medizinische Strategie (Deutschlandradio Kultur, 9. August, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHZ).

Das Gehen gilt als Hausmittel gegen körperliche und seelische Beschwerden aller Art. Nietzsche hat seine Philosophie bei langen Spaziergängen im Hochgebirge erschaffen, Thomas Bernhard lief täglich quer durch Wien. Christian Förschs Feature „Gehen“ erzählt von einer Grundform der menschlichen Fortbewegung und ihren unzähligen Variationen (Deutschlandradio Kultur, 11. August, 18 Uhr 05).

Fast 20 Stunden dauert Klaus Buhlerts Hörspielfassung des Romans „Ulysses“ von James Joyce. Zwei Männer wandern vom ersten Morgengrauen bis tief in die folgende Nacht auf beruflichen und privaten Wegen durch die Stadt Dublin. Was sie auf ihrer Tagesreise erleben, erzählt Joyce mit unerschöpflicher Fantasie, enormer Sprachmacht und einem gnadenlos intellektuellen Humor. „Sirenen“ und „Scylla und Charybdis“ sind die beiden Kapitel des Monsterwerks überschrieben, die nun im Radio gesendet werden (Deutschlandfunk, 11. August, 20 Uhr 05 / 14. August, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Sein Leben lang hat der amerikanische Dichter William S. Burroughs Tagebuch geschrieben. Privateste Anekdoten neben weit ausgespannten kulturellen Reflexionen. Drogenprotokolle, Klagen über körperliche Beschwerden, Beobachtungen seiner geliebten Katzen. Immer geht es auch um die Sünden des American way of life. Um die Destruktivität der westlichen Kultur, ihre Neigung zur Gewalt, die verlogene Stigmatisierung der Drogen. Die Hörspiel-Collage aus Burroughs Tagebuchtexten „Last Words“ ist das beeindruckende Porträt einer Ikone der amerikanischen Gegenkultur (Deutschlandradio Kultur, 12. August, 18 Uhr 30).

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