Medien : Im Radio: Nervenkitzel

Einerseits fühlen wir uns morgens noch ganz leer im Kopf. Andererseits, sagen die Experten, sind wir gerade in den frühen Morgenstunden besonders bildungsfähig. Da scheint die Teilnahme am Kulturradio so etwas wie der goldene Mittelweg. Bereits in der Morgenfrische gibt es hier Bildung in populären, gut verdaubaren Portionen.

Nehmen wir nur das Programm des Südwestrundfunks am kommenden Montag. Ab halb neun erklärt uns die Reihe "Wissen" das Modell der gewaltfreien Kommunikation, wie es der Sozialpsychologe Marshall Rosenberg entwickelt hat. Eines jener Reformprojekte der westlichen Zivilgesellschaft, mit dessen Hilfe die endlose soziale Gewalt durch ein endloses Gespräch ersetzt werden soll. Fünf nach neun folgt die stets amüsante "Musikstunde". Diesmal geht es um das Geschäft mit dem Crossover in der Musikindustrie. Tenöre schwelgen in Pop, Rocksänger probieren es mit Schumann. Sind alle musikalischen Grenzen ohne ästhetische Blessuren passierbar? Die "Musikstunde" weiß die Antwort. Kurz nach zehn folgt die Reihe "Eckpunkt" mit essayistischen Betrachtungen. Am Montag sind sie der Situation des Vaters gewidmet. Eine paradoxe Rolle in der postpatriarchalischen Gesellschaft? Ein bloßes Auslaufmodell? Oder ist das Schicksal des Vaters noch immer viel komplizierter? (SWR2, Kabel UKW 107,85 MHz).

Wenn der Tag älter wird, wenn er uns vielleicht schon zu langweilen beginnt, ist es Zeit für ein wenig Nervenkitzel. Auch das Hörspiel hat seine Thriller. Einer der legendärsten aus der Frühzeit des Radios war Orson Welles Inszenierung des Romans "Krieg der Welten". Es gibt ja diesen berühmten Film über die Ereignisse am Sendetag des Hörspiels. Als plötzlich eine Menge Amerikaner an feindliche Invasoren aus dem All glaubten und in heller Panik aus ihren Städten flüchteten. Zu hören ist Welles Original inszenierung von 1938 in einer deutschen Bearbeitung (SWR2, 31.Januar, 21 Uhr).

Patrick Roth ist ein deutscher Autor, der in Hollywood Erfolg gehabt hat. Einer, der folglich etwas von Spannung und Nervenkitzel verstehen muss. Wie seine Monolog-Serie "Die Wachsamen" nachdrücklich beweist. Drei Männer in wahrhaft extremen Situationen. Im mittleren Teil hören wir Kelly Castellanis Geschichte. Ein Mann Ende Fünfzig, der in der Gaskammer eines kalifornischen Gefängnisses sitzt und auf seinen Tod wartet. Weil der Strom ausgefallen ist, verschiebt sich die Exekution um eine Stunde. Genau in dieser Zeit erzählt Castellani sein Leben. Die Geschichte einer Schuld, die im Grunde eine Unschuld ist (SWR2, 27. Januar, 16Uhr05).

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