Im RADIO : Oligarchen sind keine Chorknaben

Eine Hörspielgroteske über Russland, der Thomanerchor aus Leipzig und die Halbwertzeiten der Ehe - Tom Peuckert blickt voraus auf die Radiowoche.

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Vor 800 Jahren wird in Leipzig ein Knabenchor gegründet, der mit glockenhellem Gesang die Gottesdienste in der städtischen Thomaskirche verschönern soll. Aus der Gründung wird ein rauschender Erfolg, der Chor existiert noch immer, die Knabenstimmen entzücken Stadt und Welt. Autor Henry Bernhard hat vor anderthalb Jahrzehnten eine Dokumentation über den Thomanerchor gemacht, zum Jubiläum kehrt er nach Leipzig zurück. Sein Feature „Silentium sagen nur die Großen“ erzählt von musikalischer Perfektion und einem rigiden Erziehungssystem. Bernhard trifft jene Thomaner wieder, die bei seinem ersten Besuch Kinder waren. (Kulturradio vom RBB, 14. März, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz)

Als Oligarch lebt man in Putins Russland nicht ungefährlich, wie der Fall Chodorkowski beweist. In der Hörspielgroteske „Der Russland-Megadeal“ von Florian Goldberg und Heike Tauch finden gleich sieben Oligarchen auf grausame Weise den Tod. Zwei Reporter stellen Nachforschungen an und stoßen auf ein ominöses „Konsortium zur Großen Vaterländischen Erneuerung“. Es handelt sich um eine Organisation, die altslawisches Seelentum mit modernsten Geschäftspraktiken zu verbinden sucht. Unter anderem wird überlegt, wie sich der Gulag als russisches Markenzeichen verwerten lässt. (Kulturradio vom RBB, 16. März, 22 Uhr 04)

Obwohl die Halbwertszeit einer modernen Ehe ständig kürzer wird, möchten viele Zeitgenossen die eigene Hochzeit als romantischen Ausnahmezustand erleben. Im Feature „Die Hochzeit“ erzählt Elisabeth Putz von einer Traumhochzeit auf dem Lande. Fast ein Jahr dauern die Vorbereitungen, ein spektakuläres Programm, eine ausgeklügelte Organisation, weder Kosten noch Mühe werden gescheut. Die Autorin beobachtet alles aus größter Nähe, denn die Braut ist ihre Schwester. (Deutschlandradio Kultur, 17. März, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz)

Vielleicht war der Amerikaner Ezra Pound der größte Dichter des 20. Jahrhunderts. An seinem Poem „Cantos“ hat er mehr als fünfzig Jahre gearbeitet. Ein tausendseitiges Weltlied in der Tradition Homers und Dantes, unerschöpflich, unausdeutbar und oft unsagbar schön. In den Nöten des letzten Weltkriegs versuchte der gelehrte Poet sich von seiner Wahlheimat Italien aus direkt in die große Politik einzumischen, leider suchte er sich ausgerechnet Mussolini als Adressaten für gutgemeinte Ratschläge aus. Das Hörspiel „Der Pound-Prozess“ von Fritz J. Raddatz rekonstruiert Pounds politische Abwege, die er mit langjähriger Internierung in einem amerikanischen Irrenhaus zu bezahlen hatte. (Deutschlandfunk, 17. März, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz)

Im Tatort-Krimi „Noch nicht mal Mord“ von Dirk Schmidt erleben wir einige aus der Bahn geworfene Ruhrgebietspolizsten. Während der Düsseldorfer Kommissar Taraki den Schock einer HIV-Infektion verdauen muss, wird sein Kollege Lenz wegen Alkoholproblemen und unkontrollierter Aggressivität nach Hamm in eine „Bewährungsabteilung“ für Kriminalbeamte strafversetzt. Natürlich dürfen die Sünder sich bald wieder bewähren: Im Klärwerk schwimmt eine Leiche mit gleich drei Identitäten. (Kulturradio vom RBB, 19. März, 22 Uhr 04)

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