Im RADIO : Pest und Lehrer

Die Tagebücher von Samuel Pepys, das Elend des Lehrerberufs und ein Mord am Hindukusch: Was man im Radio nicht verpassen sollte.

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In Jochanan Shelliems Langer Radionacht „Von Utopia nach Arabien“ reden Israelis über das Land, in dem sie leben. Dutzende von Stimmen hat der Autor gesammelt. Zeugen der frühen Staatsgeschichte, Leute in bedeutenden gesellschaftlichen Positionen, Patrioten und Skeptiker. Wir hören Philosophen, Literaten, Politiker, Siedler. Alltag und Ausnahmezustand, Ideale und Pragmatismus, Liebe und Gewalt in Israel. Das beeindruckend widersprüchliche Porträt eines ebenso vitalen wie unruhigen Landes (Deutschlandradio Kultur, 17. Mai, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Er hat Cromwells Untergang erlebt und die letzte große Pest in London. Die Figuren der Königsdramen Shakespeares gehörten zu seinem Bekanntenkreis. Aber wir wissen auch, was Samuel Pepys aß, welche Affären er hatte, wie er sich an der Blase operieren ließ. Mehr als dreitausend Seiten Tagebücher hat Pepys hinterlassen, als er im Jahr 1703 starb. Radikal intime und äußerst präzise Beschreibungen eines Alltags im englischen Barock. Für ihr Hörspiel „Die Tagebücher des Samuel Pepys“ hat Autorin Hannelore Hippe ein Best-of der Aufzeichnungen arrangiert (Deutschlandfunk, 17. Mai, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Der Lehrer ist zu einem Problemfall geworden. Es gibt ihn zu wenig, er wird zu oft krank, es gelingt ihm nicht, die Reformideen seiner Behörden reibungslos in die Praxis zu überführen. Inga Helfrichs preisgekröntes Hörspiel „Ich Wir Ihr Sie“ basiert auf Interviews mit deutschen Lehrern. Die Autorin hat vier fiktive Archetypen geschaffen, die Glanz und Elend ihres Berufsstandes auf den Punkt bringen: die überengagierte Junglehrerin, die Mittvierzigerin kurz vorm Burn-out, die Routinierte an der Pensionsgrenze, der Alt-68er mit utopischem Restpotenzial (Deutschlandradio Kultur, 19. Mai, 0 Uhr 05).

Ein deutscher Soldat kommt in Afghanistan ums Leben. Angeblich hat er Selbstmord begangen. In Holger Siemanns Radiokrimi „Mord am Hindukusch“ verhindert ein skeptischer Staatsanwalt, dass über dem Toten rasch die Akten geschlossen werden. Die Selbstmordhypothese scheint absurd, aber es gibt keinen Beweis für ihr Gegenteil. Bis der Staatsanwalt auf einen Wissenschaftler trifft, der an der Zukunft des Krieges arbeitet. Hat der Tod des Soldaten mit der geheimen Entwicklung eines Kampfroboters zu tun? (Deutschlandradio Kultur, 19. Mai, 21 Uhr 33). Tom Peuckert

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