Medien : Im Radio: Probiert Tartini! Tom Peuckert verrät was Sie nicht verpassen sollten

Die dramatische Kunst im Radio hat Generationen kleinerer literarischer Talente ernährt und hin und wieder auch die Stars angelockt. Ein Berühmter unter den Hörspielautoren war Samuel Beckett. Während des gesamten Septembers kann man im Deutschlandradio Berlin die Werke des irischen Nobelpreisträgers hören. Die Reihe beginnt mit einer Collage aus Tagebuchnotizen, die Beckett während einer Deutschlandreise im Jahr 1936 verfasst hat. Am Ende steht des Meisters eigene Inszenierung von "Warten auf Godot", uraufgeführt 1975 in Berlin. Vielleicht lässt sich so die geistige Linie eines Werkes begreifen: von den frühen Erlebnissen in Nazi-Deutschland hin zum schwarzen Humor der Endspiele (morgen, 18 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Bei Radio Kultur ist noch Sommerpause. Der aus der Fusion von SFB 3 und Radio Brandenburg hervorgegangene Sender balanciert am Rande des finanziellen Abgrunds, was den Verzicht auf Hörspielaufführungen während der Monate August und September nach sich zieht. Immerhin steht die Lesung eines faszinierenden Romans auf dem Programm. In "Die Farbe von Wasser" erzählt der Amerikaner James McBride über seine Kindheit im New York der 60er Jahre. Die Suche nach der verlorenen Zeit führt den Autor in das Reich einer bezaubernden Mutter. Der autobiografische Roman ist eine Hommage an diese weiße Rabbinertochter aus Polen, die in Amerika nacheinander zwei schwarze Männer heiratet und mit ihnen zwölf Kinder hat. Noch immer scheint der Erzähler über seine bizarre Kindheit im Labyrinth der Kulturen zu staunen. Während Black-Panther-Aktivisten die Trennlinien zwischen Schwarz und Weiß immer schärfer ziehen, muss ein Kind mit seiner schwarz-weißen Existenz fertig werden. Sanft und ironisch erzählt der Text von diesem Leben als "fleischgewordenem Widerspruch". Christian Brückner, der Weltmeister unter den deutschen Vorlesern, macht eine suggestive Elegie daraus (5. September, 22 Uhr, UKW 92,4 MHz).

Für Schlaflose ist das Nachtkonzert der ARD stets eine gute Empfehlung. Bis zwei Uhr in der Früh hört man zwar meist die einschlägigen Potpourris aus Mozart, Brahms und Bach, aber nach vier kommen wirklich seltene und schöne Stücke der so genannten ernsten Musik, für die Sie eine Menge Geld im CD-Shop ausgeben müssten. Probieren Sie es am kommenden Donnerstag: Tartini, Kirnberger, Leclair, Couperin heißen die Komponisten in der Morgenfrische. Nie gehört? Genau das ist das Spannende am Nachtkonzert (zu empfangen über Radio Kultur, Radio 3, SWR 2).

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