Im RADIO : Proleten und Leichen

Durchwursteln in der DDR, Züge in die Freiheit, Krimis in Frankfurt an der Oder: Unser Autor verrät, was man im Radio nicht verpassen sollte.

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Die Hauptfiguren in Volker Brauns Hörspiel „Die Geschichte von den vier Werkzeugmachern“ sind gestandene ostdeutsche Proleten. In der DDR leben sie ohne Druck und Zukunftsangst. Ganz dick sind sie geworden vom sich Durchwursteln. Als 1989 die Geschichte in ihre Fabrikhalle einbricht, mit Kapitalismus und Managern von der Treuhand, ist das ein Schlag. Mit präziser Poesie zeichnet Braun die triviale Kompliziertheit dieses Vorgangs nach (Kulturradio vom RBB, 3. Oktober, 14 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Von den Ostdeutschen, die im Spätsommer 1989 in die Prager Botschaft flüchteten, kennen wir nur diesen einen Gänsehautmoment. Genscher sagt auf dem Balkon, dass alles gut wird, im Garten jubeln die Massen. Ulf Köhlers Feature „Mein Zug in die Freiheit“ lässt die damaligen Flüchtlinge noch einmal zu Wort kommen. Wie ging es weiter, nachdem die Kameras ausgeschaltet waren? Was ist aus ihnen geworden, wie schauen sie auf ihre Flucht zurück? (Kulturradio vom RBB, 4. Oktober, 9 Uhr 05)

Ein Viertel der deutschen Bevölkerung hat mittlerweile einen „Migrationshintergrund“. Im vergangenen Jahr sind über eine Million Zuwanderer nach Deutschland gekommen. In Andreas Weisers Feature „Heimat“ erzählen sieben Immigranten über das Leben in einer neuen Heimat, in der sie oft noch als Fremde betrachtet werden. Berichte über große Hoffnungen, kleine Enttäuschungen und die vielen Tricks, mit denen man sich die Fremde zur Heimat macht (Deutschlandradio Kultur, 4. Oktober, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Krimiautor Oliver Bukowski ist Spezialist für schräge Ermittlerfiguren. Sein Hörspiel „Snaps“ schickt Hauptkommissar Morten van de Jørgensen, Spitzname Snaps, ins Rennen. Der Polizist ist strafversetzt zur Direktion Frankfurt/Oder. Sein erster Fall führt Snaps in ein Dorf, das vom Aussterben bedroht ist. Wäre da nicht die Öko- und Kunst-Kommune aus Zugewanderten. Das Hörspiel beginnt mit zwei Leichen am Feldrand. Indiz für ein Dorf im Kriegszustand (Deutschlandradio Kultur, 6. Oktober, 21 Uhr 30).

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