Im RADIO : Pseudologen und Plutonium

Pseudologe, die sich als Adlige inszenieren, Plutonium in der Hexenküche der Zivilisation und Buddhismus in der westlichen Welt: Tom Peuckert verrät, was Sie diese Woche im Radio nicht verpassen sollten.

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Der Zenbuddhismus hat im Westen eine riesige Gemeinde von Anhängern. Für die einen ist es nur der passende Lifestyle, für die anderen vielleicht Rettung aus schwerer Not. Man sitzt auf dem Boden und tut auf so intensive Weise nichts, dass die Seele wieder zu Kräften kommt. Autor Jochen Adam hat im Westen Philosophie studiert und danach im Osten den langen Weg einer Ordination zum Zen-Mönch durchlaufen. Sein Radiovortrag „Das schwere Einfache“ berichtet aus Theorie und Praxis einer religiös grundierten Technik der Seelenstärkung (Kulturradio vom RBB, 1. November, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz)

Die gelegentliche Lüge gehört zum Kommunikationsrepertoire fast jedes Menschen. Wer es damit allerdings übertreibt, gilt als notorischer Lügner und wird von der Mitwelt verachtet. Pseudologen nennt die Wissenschaft Menschen mit unstillbarem Schwindeldrang. Sie leben vom Kick lügnerischer Erfindung, inszenieren sich als Adlige, Schwerkranke, oder Holocaust-Opfer. Werden sie ertappt, geben sie alles zu und suchen nach dem nächsten Schwindel. Rosvita Krausz’ Feature „Lass ankern uns vor Salvador“ stellt das Phänomen vor und porträtiert einen besonders beeindruckenden Vertreter der Spezies (Deutschlandfunk, 2. November, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

).Wer in der DDR aus politischen Gründen im Gefängnis saß, durfte sich Hoffnung auf einen Freikauf durch den Westen machen. Ein Seelentrost für viele Opfer der Willkürjustiz, aber auch ein Indiz für den moralischen Zustand des Regimes im Osten. Axel Reitels Feature „Freigekauft“ erzählt, wie die Geschäfte abgewickelt wurden. Der Präsident des Bundesrechnungshofes zeichnete die Listen persönlich ab, das Lösegeld wurde in Koffern über die Grenze getragen. Manchmal ließ sich die DDR ihre Landeskinder auch mit Erdöl, Mais oder Kakao aufwiegen. Vor Reitels Mikrofon erzählen Beamte, die damals an den Deals beteiligt waren, und jene, die mittels Westgeld in die Freiheit kamen (Deutschlandradio Kultur, 3. November, 18 Uhr 05)

.Zuerst hat Mutter Wolffen einen Rehbock im Wald erwildert, dann eine Fuhre Holz mitgehen lassen und schließlich auch noch einen kostbaren Biberpelz gestohlen. Weil die Waschfrau clever ist und die Obrigkeit in Gestalt des Amtsvorstehers Wehrhahn lieber verdächtige Liberale verfolgt, bleibt die ganze Klauerei am Ende ungesühnt. „Der Biberpelz“, eine „Diebskomödie“ aus dem Berliner Vorstadtmilieu, war einer der größten Theatererfolge Gerhart Hauptmanns. Zum 150. Geburtstag des Autors wird das Drama in einer sehr schönen Hörspielfassung noch einmal aus den Archiven geholt (Deutschlandfunk, 3. November, 20 Uhr 05).

Plutonium ist ein ganz besonderer Stoff aus den Hexenküchen der modernen Zivilisation. Kein Gift ist giftiger, kein Gift bleibt länger giftig. Die Natur hat Vorsorge getrieben, indem sie Plutonium nur in winzigsten Mengen im Gestein auftreten lässt. Aber der menschliche Erfindergeist hat das heikle Material gleich tonnenweise aufgehäuft. Andrea Rehmsmeiers Feature „Energie für eine Ewigkeit“ porträtiert ein unheimliches Schwermetall. Die Autorin Andrea Rehmsmeier hat Atomlaboratorien besucht, sich auf Waffentestgeländen umgesehen und jene Plätze erkundet, an denen radioaktiver Müll mit hohem Risiko gelagert wird. (Deutschlandfunk, 6. November, 19 Uhr 15).

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