Im Radio : Reisen zu Schamanen

Die Radiotipps der Woche: Ein Feature über die Hoffnung auf Hilfe durch übersinnliche Wesen, ein autobiografisches Stück von Célines Reise ans Ende der Nacht.

Tom Peuckert

Er war das größte literarische Skandalon, das Frankreich im 20. Jahrhundert zu bieten hatte. Verächter der Republik, Nazifreund, Antisemit, Menschenfeind. Aber er war auch ein glänzender Stilist, ein Revolutionär der Sprache, und denen verzeiht Frankreich bekanntlich fast alles. Sein erster Roman machte Louis-Ferdinand Céline im Jahr 1932 berühmt. Die autobiografische „Reise ans Ende der Nacht“ erzählte in unerhörtem Prosaton von den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs. Célines legendären Roman gibt es nun auch in einer dreiteiligen Hörspieladaption (Deutschlandradio Kultur, 18. April, 18 Uhr 30, UKW 89,6 MHz; Fortsetzung am 20. und 21. April).

Wer sich langweilt, wenn ihm Psychologen sein Innenleben erklären, sollte es mit einem Medium versuchen. Angeblich sehen Menschen mit medialer Begabung tiefer in ihr Gegenüber hinein, sie überblicken dessen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, verschmähen dabei auch die Hilfe übersinnlicher Wesen nicht. Für ihr Feature „Innen und Dazwischen“ hat Autorin Wibke Bergmann eine Heilerin, eine Schamanin und eine Wahrsagerin aufgesucht. (Deutschlandradio Kultur, 19. April, 18 Uhr 05).

Geisterbeschwörung, zweiter Teil. Wer wissen möchte, was die Zukunft bringt, kann in Deutschland auf die kostenpflichtigen Angebote von Hellsehern, Kartenlegern und Astrologen zurückgreifen. Autorin Rosvita Krausz hat sich in der paranormalen Branche umgehört. Das Feature „Alles wird gut“ erzählt von Leuten, die auf die Hilfe magischer Zukunftsprognosen schwören. (Deutschlandradio Kultur, 23. April, 0 Uhr 05).

Wer sich mit der Geschichte des Stalinismus beschäftigt, stößt unweigerlich auf die  so genannten Schauprozesse. Keine juristischen Veranstaltungen, sondern spektakuläre Opferrituale, mit denen die absolute Macht eines Diktators bestätigt wurde. In der DDR unter Walter Ulbricht gab es etliche dieser Prozesse, einer wurde 1956 gegen den kommunistischen Intellektuellen Walter Janka geführt. Michael Lisseks Feature „Mein Mercedes steht zur Verfügung, sagte er nur“ erzählt Jankas traurige Geschichte, die tief in die Wirren einer traurigen Zeit hineinführt. Als „Schurkenstück“ untertitelt der Autor seinen spannenden historischen Bericht, was am Ende kein bisschen übertrieben scheint (Kulturradio vom RBB, 23. April, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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