Im RADIO : Rom, Moskau und Baden-Baden

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Zu den faszinierendsten Gebräuchen innerhalb der katholischen Kirche gehört die Heiligsprechung Verstorbener. In den fast 27 Jahren seines Pontifikats hat Papst Johannes Paul II. insgesamt 482 Personen heiliggesprochen. „Santo Subito“ heißt das Hörspiel von Eberhard Petschinka, in dem der jüngst verstorbene Papst nun selber an die Reihe kommt. Bekanntlich fordern dessen Anhänger eine forcierte Aufnahme in die Reihen der katholischen Heiligen. Dafür aber, so verlangt es die Regel, muss der Kandidat im irdischen Leben mindestens ein Wunder vollbracht haben. In Petschinkas schönem Traumspiel wird ausgerechnet der Schauspieler Roberto Benigni vor die vatikanische Kongregation geladen. Er hat dem sterbenden Papst eine letzte private Theatervorstellung gegeben. Sollte sich dabei etwas Wunderbares ereignet haben? (Kulturradio, 8. Februar, 22 Uhr 04).

Bekanntlich hat Bertolt Brecht in seinem Künstlerleben manchen Skandal angezettelt. Keiner war gewaltiger als der zur Uraufführung des szenischen Oratoriums „Das Badener Lehrstück vom Einverständnis“ 1929 in Baden-Baden. Es ging in Brechts Werk um die Grenzen des Fortschritts, mithin um einen zentralen Konflikt moderner Gesellschaften, aber das war dem tobenden Publikum vollkommen egal. Regisseurin Beate Andres hat die alte Fabel wieder ausgegraben und als modernes Hörspiel inszeniert. Es zeigt, dass das Katastrophenpotenzial, wie es Brecht 1929 diagnostizierte, nicht kleiner geworden ist (SWR 2, 8. Februar, 22 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

Autor David Zane Mairowitz hat einen russischen Kriminalbeamten namens Marlov erfunden, den er im Herzen der stalinistischen Sowjetunion ermitteln lässt. Marlovs erster Fall hatte mit der Ermordung des legendären Leningrader Parteisekretärs Kirov zu tun und endete für den Polizisten im sibirischen Straflager. Nun, fast zwei Jahrzehnte später, wird Marlov nach Moskau zurückbeordert. Eben ist Stalin gestorben, und es mehren sich bereits die Gerüchte, dabei könne Gift im Spiel gewesen sein. Im Krimi „Marlovs Rückkehr“ taucht die Hauptfigur erneut ein in die Moskauer politischen Sümpfe aus Intrigen, Korruption und einer allesverschlingenden Paranoia (Deutschlandfunk, 9. Februar, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Ob Russland zu Europa oder zu Asien gehört, darüber streiten seit Jahrhunderten nicht nur westliche Beobachter, sondern auch die Russen selbst. Wird das Land eines Tages doch noch zur Demokratie, oder taumelt es in den Würgegriff des nächsten Diktators? Der russische Schriftsteller Vladimir Sorokin hat in seinem neuen Roman „Der Tag des Auserwählten“ dazu eine deutliche Hypothese formuliert. Im Jahr 2027 befindet sich sein fiktives Russland unter der Knute eines neuen Zaren. Wie gehabt, sichert der Zar seine Macht mithilfe einer brutalen Geheimpolizei. Sorokins tolldreiste Satire verknüpft das russische Mittelalter direkt mit der Hightech-Epoche. Glaube, Barbarei und Computerspiele gehören im kommenden Russland zusammen. Autor Frank Dietschreit stellt das Buch vor und spricht mit Sorokin über dessen russische Zukunftsfantasien (Kulturradio, 9. Februar, 19 Uhr 04).

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