Im Radio : Rommel Reloaded

Tonspuren vom "Wüstenfuchs"-Film für ein Hörspiel, ein weiterer Fall mit Sigmund Freud und die Haut als paradoxes Organ: Tom Peuckert verrät, was man im Radio nicht verpassen sollte.

Die große Rommel-Offensive des Fernsehens hat auch das Radio erreicht. Das Hörspiel „Rommel“ von Leonhard Koppelmann verwendet Tonspuren aus dem jüngst gesendeten ARD-Spektakel und kontrastiert die Fiktion mit historischen O-Tönen und Dokumenten. Noch einmal geht es um die letzten Monate im Leben des Feldmarschalls, um Invasion, Hitler-Attentat, befohlenen Selbstmord. „Rommel“ hat im Fernsehen Quote gemacht, aber auch Kritik auf sich gezogen. Zeigt sich hier die alte deutsche Liebe zum Militär? Entzündet sich neuer Patriotismus am einstigen Ruhm der deutschen Armeen? Wer den TV-Rommel verpasst hat, kann solche Fragen anhand eines Hörspiels bedenken (SWR 2, 8. November, 22 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

Bereits vier Serienfolgen lang schickt Krimi-Autor Heiko Martens einen berühmten Detektiv auf Verbrecherjagd. Mit Charme und Scharfsinn bringt Sigmund Freud die Unterwelt seiner Heimatstadt Wien in Bedrängnis. Doch diesmal wird der Erfinder der Psychoanalyse selbst zum Gejagten. Er soll eine Patientin vergewaltigt haben, die seither im Wachkoma liegt. Überraschenderweise mangelt es nicht an Zeugen, die Freud einen schlechten Leumund ausstellen. Freuds Tochter Anna vermutet eine antisemitische Intrige. Im Krimi „Prof. Sigmund Freud: Stimulus“ geht es um Unschuldsbeweise und um die dubiose Rolle von Freud-Schüler C. G. Jung (SWR 2, 9. November, 22 Uhr 03).

Die menschliche Haut ist ein paradoxes Organ. Sie umhüllt unser Inneres, aber sie enthüllt es auch. Wenn die Seele beschädigt ist, lassen Schäden der Haut meist nicht auf sich warten. Die Haut schützt vor Verletzungen, aber sie kann selbst zur Wunde werden. Das Feature „Am tiefsten ist die Haut“ von Andra Joeckle erzählt Geschichten über ein Organ, das Paul Valery das tiefste am Menschen genannt hat. Von der Haut als Lebenszeugnis und der Haut als Gefängnis. Von der Haut als Quelle sinnlicher Genüsse und von künstlichen Häuten, die mittlerweile im Reagenzglas gezüchtet werden (Deutschlandradio Kultur, 10. November, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Fast ein Vierteljahrhundert ist die DDR nun Vergangenheit. Mittlerweile hat jeder seine eigene Geschichte über das eingemauerte Land zu erzählen. Die Lange Radionacht „Wie wirklich war die Wirklichkeit?“ der Autorin Jacqueline Boysens sucht nach dem Bild der DDR, wie es im kollektiven Gedächtnis der Deutschen fortlebt. Eine Nischengesellschaft mit durchaus idyllischen Zügen oder doch eher ein brutales Unrechtssystem? Eine Radionacht lang kreuzen sich Erinnerungen und Reflexionen, subjektive Wahrheiten und der Objektivitätsdrang der Historiker (Deutschlandfunk, 10. November, 23 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Als Kind floh Adalbert von Chamisso vor der Revolution nach Preußen. Der französische Adelssohn war Page am Hof, später Vorsteher des Herbariums im Berliner Botanischen Garten, schrieb das berühmte Märchen vom schattenlosen Peter Schlemihl. Im Krimi „Die Chamissofalle“ von Joy Markert muss sich Privatdetektivin Cher Ebinger intensiv mit Chamissos Lebenswerk befassen. Ein junger Mann, dessen berufliche Existenz um den Dichter kreiste, ist ermordet worden. Gerade erst hatte er eine Chamisso-Biografie beendet. Der Schlüssel zur Tat scheint im labyrinthischen Schaffen des preußischen Franzosen verborgen (Deutschlandradio Kultur, 12. November, 21 Uhr 33).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben