Im RADIO : Schauspieler, Grosz, Bürger

Tom Peuckert verrät, was Sie im Hörfunk nicht verpassen sollten

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Der Beruf des Schauspielers kann auf künstlerische Gipfel führen, vielleicht wird man sogar reich und berühmt. Aber auch ein Leben voll materieller Nöte und unerfüllter Sehnsüchte ist denkbar. Für ihr Dokumentarhörspiel „Das Projekt bin ich“ hat Regisseurin Ulrike Müller fünf deutsche Schauspieler vors Mikrofon geholt. Sie haben beides erlebt: Erfolge und Niederlagen. Mit fortschreitendem Berufsleben wurden die Erfolge spärlicher, die Niederlagen häuften sich. Nun ziehen sie Bilanz, virtuos, spielerisch, sehr authentisch. Tragikomische Anekdoten, Geständnisse, Seufzer, Trotzgesten, Galgenhumor (Kulturradio vom RBB, 27. Juli, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

George Grosz hat nicht nur starke Bilder gemalt, er hat auch interessante Dinge geschrieben. Melancholische Tagebücher, satirische Briefe, fantastische Geschichten. Er nannte sich selbst einen Gedankenjongleur und Gehirnsaltospringer. In Michael Farins Hörspiel „Hirnzirkus – Gedankenflüge“ werden diese Metaphern plastisch. Eine muntere Collage aus Texten, die nach Grosz’ Emigration in die USA entstanden sind. Ein Künstler beklagt die Verhältnisse dieser Welt – und zeigt dabei bemerkenswert viel Humor (Deutschlandradio Kultur, 27. Juli, 18 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Was tat die deutsche Jugend in den Neunzigern? Wie sah ihr Alltag aus, welche Ideen und Ideale kursierten? Meinhard Starks Feature „Spaß statt Zukunft“ blickt zurück. Erinnerungen an Punks, Skins, Raver, Hip-Hopper, Hooligans. Jugendarbeitslosigkeit war ein dominantes Thema, trotzdem sprachen die Medien von der „Spaßgeneration“. Eine Jugend, die auf den Arbeitsmärkten nicht gebraucht wurde, machte wenigstens exzessiv Party. Viele Zeugen, die in den Neunzigern jung gewesen sind, erinnern sich (Deutschlandfunk, 27. Juli, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Die Helden der französischen Theaterautorin Yasmina Reza sind kultivierte und aufgeklärte Bürger. Sie haben Erfolg im Beruf, ein geordnetes Privatleben. Sie hätten sich viel zu sagen, wenn sie nicht so brillant aneinander vorbeireden würden. Meist zerbricht die Existenzfassade wegen einer scheinbaren Kleinigkeit. Das Tier kommt zum Vorschein, Lebenseinsamkeit und Sterbensangst grassieren. Im Gespräch mit der Journalistin Katja Weise gibt die derzeit erfolgreichste europäische Dramatikerin Auskunft über ihre Sicht auf die Wohlstandsgesellschaft und die Menschen, die sie hervorgebracht hat (Kulturradio vom RBB, 29. Juli, 23 Uhr 04).

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