Medien : Im Radio: Schreibblockade

Deutschlandfunk[7 MHz],21. Juli[7 MHz],0 Uhr 05[7 MHz],UKW 97[7 MHz]

Warum hört ein erfolgreicher Schriftsteller plötzlich auf zu schreiben? Weil er einen Block hat, wie es unter Eingeweihten heißt. Er kann das leere Blatt Papier vor sich nicht mehr ertragen, die Tastatur des Computers widert ihn an. Die Hirnforscher werden uns solche Hemmungen demnächst bestimmt physiologisch erklären. Als Schrumpfung neuronaler Kreativitätszonen im Hirn. Bis dahin aber müssen wir uns mit schöngeistigen Erklärungen zufrieden geben.

Heiner Müller hat einen interessanten Text zum Thema geschrieben: das dramatische Poem "Mommsens Block", das nun in einer schönen Radioinszenierung zu hören ist. Warum konnte der berühmte Historiker Theodor Mommsen sein lange angekündigtes Werk über das Rom der späten Kaiserzeit nie vollenden? Richtig. Weil er am Ende seines Lebens einen writers block hatte. Es war, so interpretiert Müller das Scheitern des Autors, der Ekel vor der Historie, der Mommsen die Feder aus der Hand schlug. Die Cäsaren der römischen Dekadenz-Epoche schienen ihm einfach zu jämmerlich. Natürlich hat Müller wenige Jahre vor seinem Tod nicht zufällig über die Schreibhemmung eines bürgerlichen Gelehrten nachgedacht. Es war seine eigene Geschichte, dieser Block, dieser Ekel vor einer Gegenwart, die auf Beschreibung wartete. Müller nämlich hat über das wiedervereinigte Deutschland kein Drama mehr schreiben können. Nun ist Müller tot. Und wir warten auf die Erklärungen der Hirnforscher (SWR 2, 19. Juli, 21 Uhr, UKW Kabel 107,85 MHz).

Auch andere prominente Geister haben in Preußen gesessen und ihre Zeitgenossenschaft verflucht. Voltaire immerhin hatte keinen Block, sondern schrieb garstige Briefe an seine Nichte Marie-Louise in Frankreich. Tiraden über König Friedrich und die Sekundärtugenden des von ihm regierten Staates. "Adieu, mein König Salomo" heißt das amüsante Hörspiel von Jens Sparschuh, das Voltaires preußische Klagegesänge ausbreitet. Die Briefe an Marie-Louise sind fiktiv, aber Voltaire war wirklich in Preußen. Seine Abreise erfolgte bei Nacht und Nebel. Kaum im sicheren Ausland, veröffentlichte er Satiren auf den Preußenkönig. Keine Rede also von Schreibhemmungen (Radio Kultur, 20. Juli, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

Nach so viel Kulturkritik erfrischt ein simpler Mord aus Geldgier. Friedrich Bestenreiners Krimi "Schwarze Hyazinthe" erzählt von einem Chemiker, der ein unwiderstehlich duftendes Parfum entwickelt hat. Zuerst macht es süchtig, später tötet es. Eine wahre "Blume des Bösen", die hier für nächtliche Spannung sorgt.

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