IM RADIO : Schrott, Nachbarn und die Stasi

Tom Peuckert

In Ghanas Hauptstadt Accra gibt es ein Armenviertel, das wird von seinen Bewohnern Sodom und Gomorrha genannt. Die einzige Erwerbsquelle hier ist die Gewinnung von Edelmetallen aus Elektronikschrott. Unter offenem Himmel werden Computer, Fernseher und Kühlschränke angezündet, der Kunststoff verbrennt, übrig bleibt etwas Kupfer, das sich verkaufen lässt. Es sind vor allem Kinder, die in den giftigen Rauchschwaden stehen. Jens Jarischs Feature „Kinder von Sodom und Gomorrha“ erzählt die ganze Geschichte hinter diesem Schreckensort. Einerseits gehort Sodom zu den Schauplätzen einer globalen Wirtschafts- und Umweltkriminalität, die in Europa ihren Ausgangspunkt hat. Andererseits lässt sich an diesem Platz ganz von innen erfühlen, was der europäische Traum für viele junge Afrikaner bedeutet und warum sie für diesen Traum ihr Leben riskieren. Jarischs Feature ist eine kühne Recherche und das beeindruckende Dokument einer großen Tragödie (Kulturradio vom RBB, 23. September, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Der Nachbar ist eine zentrale Größe in unserem Erfahrungshaushalt. Wir sind mit ihm befreundet oder führen erbitterte Gerichtsprozesse gegen ihn. Nachbarn sind Projektionsfiguren im Guten wie im Bösen.Wir beschäftigen uns viel mit ihnen und vergessen dabei gern, dass wir selber auch nur Nachbarn sind. Eine ganze Radionacht lang versucht Autor Günter Rohleder das Wesen der Nachbarschaft zu ergründen. Unter dem Titel „Zwischen Hassliebe und Schicksal“ kommen Nachbarschaftsexperten aller Art zu Wort (Deutschlandradio Kultur, 26. September, ab 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Autor Peter Schanz ist quer durch Deutschland gewandert. Genau auf der einstigen Grenze zwischen den beiden Halbstaaten. In einem Wald, wo Bayern, Sachsen und Tschechien aufeinanderstoßen, ist er losgelaufen, über Berg und Tal, durch Schneisen und Dörfer, bis hinauf ans Meer. Sein Feature „Grenzläufer“ erzählt von diesem Marsch durch eine deutsche Geschichtslandschaft. Von den Menschen, die an der historischen Nahtstelle leben, von Narben, die unsichtbar geworden sind, aber noch immer schmerzen, vom Erinnern und Vergessen (Deutschlandradio Kultur, 26. September, 18 Uhr 05).

Zurück in die Wirren des Winters 1989/90 führt Jörg-Michael Koerbls amüsanter Radiokrimi „Kosemund“. Nach einer ausgedehnten Tour durch Westberliner Kneipen hat der alte Bauer Kosemund den letzten Zug in sein Dorf verpasst. Auf einer Straße östlich von Berlin wird er Zeuge einer Schießerei und kommt in den Besitz eines Lkw mit brisanten Stasi-Dokumenten. Weil Kosemund ein Schlitzohr ist, beschließt er, diesen Zufallsfund als Aufbruch in ein neues Leben zu nutzen. Im Stil einer volkstümlichen Legende erzählt Autor Koerbl, wie Kosemund sich dabei gegen zahlreiche Widerstände durchsetzt, seine alte Lebenswelt und sogar die Gattin verliert, aber am Ende doch als Gewinner dasteht (Deutschlandradio Kultur, 28. September, 21 Uhr 33).

Detektiv Viktor Berger ermittelt im Musikbusiness. Er kennt die Stars und ihre tragischen Lebensläufe, hat schon vielen prominenten Musikern hilfreich zur Seite gestanden. Der neueste Fall des „Pop-Detektivs“, den Carla Spies im Radiokrimi „Under Heavy Metal“ erzählt, hat mit dem frühen Tod eines hochbegabten Gitarristen zu tun. Im Jahr 1986 kommt Cliff Burton, Bassist der Band Metallica, bei einem Unfall ums Leben. Auf der Fahrt von Stockholm nach Kopenhagen kippt der Tourbus der Band auf vereister Straße um. Berger entdeckt rasch himmelschreiende Widersprüche. War der Unfall in Wahrheit ein Anschlag? Aber wer könnte ein Interesse daran haben, die Jungs von Metallica aus dem Weg zu räumen? (SWR 2, 29. September, 19 Uhr 20, Kabel UKW 107,85)

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