Im RADIO : Schwarmstadt, Pseudologen

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

von

In Berlin wird gern und oft davon geredet, was für eine tolle Stadt Berlin doch ist. Die Topadresse für Lebensgenüsse aller Art. Der Berliner wundert sich meist sehr, wenn andere deutsche Städte ebenso euphorisch über sich denken. Nehmen wir nur Leipzig, die sächsische Schöne. „Schwarmstadt“ wird sie von Autor Manuel Waltz genannt, weil Schwärme von jungen Kreativen in die Stadt ziehen. Auch Investoren schwärmen, in Leipzig wird gentrifiziert, was das Zeug hält. Waltz’ Feature „Swinging Leipzig“ erklärt uns die Boomstadt und den dort allgegenwärtigen Lokalpatriotismus (Deutschlandfunk, 7. Februar, 19 Uhr 15, UKW 97,7 MHZ).

Mit 27 Jahren zerschellt James Dean in seinem schnellen Sportwagen. Ein dramatisch kurzes Künstlerleben, das später als erstes Wetterleuchten der großen subkulturellen Revolte gedeutet wird. Dean war Rebell ohne Grund, ebenso sehr Produkt seines Talents wie eine Inszenierung Hollywoods. Alfred Andersch hat 1959 über die Ikone der Beatniks das Hörspiel „Der Tod des James Dean“ geschrieben. Eine Collage aus Texten von Ginsberg, Cummings und anderen Beat-Poeten, kontrastiert durch die Reportage eines Boxkampfs. Eine furiose Radioproduktion aus den Archiven (Kulturradio vom RBB, 7. Februar, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Pseudologen nennt die Wissenschaft Menschen mit unstillbarem Schwindeldrang. Sie leben vom Kick lügnerischer Erfindungen, inszenieren sich als Adlige, Schwerkranke, Millionenerben, Holocaust-Opfer. Werden sie ertappt, geben sie alles zu und suchen nach dem nächsten Schwindel. Die gelegentliche Lüge gehört zum Verhaltensrepertoire fast jedes Menschen, wer es zu toll treibt, ist vielleicht psychisch krank. Rosvita Krausz’ Feature „Lass ankern uns vor Salvador“ stellt das Phänomen vor und porträtiert einen eindrucksvollen Vertreter der Spezies (Kulturradio vom RBB, 8. Februar, um 9 Uhr 05).

Das Basiswissen in Sachen Aktienkapitalismus erwirbt man am schnellsten durch die Lektüre des Romans „Das Geld“. Vor gut 120 Jahren hat Emile Zola sein Epos über den Börsenguru Aristide Saccard veröffentlicht. Der Mann ist am Anfang pleite, ein paar Jahre später der größte Unternehmer von Paris, am Ende auf der Flucht vor seinen Gläubigern. Zola malt ein großes Gemälde voll überzeugender Leidenschaften. Gier, Ehrgeiz, Liebe, Spekulation. Dazu die technischen Geheimnisse des Aktiengeschäfts. Für Liebhaber und Neugierige kommt der Roman nun in einer dreiteiligen Hörspieladaption ins Radio (Deutschlandradio Kultur, 12. Februar, 21 Uhr 33, Fortsetzungen am 19. und 26. Februar).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben