Im RADIO : Sehr weiß und ungeheuer oben

Auf der Suche nach der russischen Seele und nach Wolkenformationen: Unser Autor verrät, was Sie im Radio nicht verpassen sollten.

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Die Schriftstellerin Irina Liebmann wurde 1943 in der Sowjetunion geboren, als Kind einer russischen Mutter und eines deutschen Vaters. Sie verbrachte ihre frühe Kindheit in Stalins Land, reiste später oft von Ostberlin nach Moskau. Die Sowjetunion gibt es nicht mehr, nun wagt die Autorin nach langer Abstinenz eine neue Reise. Sie geht auf die Suche nach den Orten und Eindrücken ihrer Vergangenheit, aber auch nach dem, was man die russische Seele nennt. Hat wenigstens sie die Umwälzung aller Verhältnisse überlebt? Das Hörspiel „Erzähl mir von Russland“ ist ein Reisebericht aus den Tiefen eines erklärungsbedürftigen Landes (Kulturradio vom RBB, 14. November, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz)

Am Wochenende hat das Dokumentarhörspiel „Qualitätskontrolle oder Warum ich die Räuspertaste nicht drücken werde“ den Hörspielpreis der ARD gewonnen. Der tragisch-groteske Unfall einer jungen Frau und seine lebenslangen Folgen – erzählt von ihr selbst. Die traurige Geschichte wird mit außerordentlich viel Vitalität, Klugheit und zuweilen sogar Selbstironie geschildert, die Autoren Helgard Haug und Daniel Wetzel haben alle erzählenden Stimmen zu einem radiophonen Kunstwerk montiert. Das „Vergnügen an tragischen Gegenständen“, wie es bei Schiller heißt, ist beträchtlich. Nun kommt das Preisträgerstück noch einmal ins aktuelle Programm (Deutschlandfunk, 15. November, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Es gibt eine Menge Gedichte über Wolken. Sie werden als poetische Individuen besungen, der Dichter geht mit ihnen auf träumerische Reisen. Man kann das Wolkenwesen auch streng wissenschaftlich betrachten. Vor 200 Jahren hat ein britischer Meteorologe eine erste Systematik der Wolkenformen geschaffen. Forscher entreißen den Wolken erstaunliche Geheimnisse über ihre Herkunft, ihre Reisewege, ihre Rollen im großen Himmelstheater. In Beate Ziegs' Langer Radionacht „Sehr weiß und ungeheuer oben“ sprechen Wolkenexperten aller Schulen über ein luftiges Nichts, ohne dessen Existenz kein Leben auf der Erde möglich wäre (Deutschlandfunk, 15. November, ab 23 Uhr 05).

Die Figuren in Kathrin Rögglas Hörspiel „NICHT HIER oder Die Kunst zurückzukehren“ haben in Krisenzonen der Welt gearbeitet. Sie leisteten deutsche Entwicklungshilfe oder betreuten UNO-Projekte. Ihr Job war politisch wichtig, moralisch hochstehend, persönlich erfüllend. Nun ist die Arbeit zu Ende und sie müssen in die Heimat zurück. Was sich auf je eigene Weise als Katastrophe erweist. In Rögglas Hörspielcollage reden die Entwicklungshelfer ihrer einstigen Bedeutungsfülle hinterher. Nicht sie haben ihr Amt getragen, sondern das Amt hat ihnen eine fast schon überlebensgroße Identität verliehen (Deutschlandradio Kultur, 16. November, 18 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

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