Im RADIO : Selbstdarsteller, Schriftsteller

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

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Der Komponist Karlheinz Stockhausen hat verschiedene Musikstile erfunden, einigen avantgardistischen Bewegungen zum Durchbruch verholfen, ein paar gewaltige Orchester- und Bühnenwerke geschrieben. Er war berühmt als kreatives Musikgenie und berüchtigt als energischer Selbstdarsteller, der nur wenige Kollegen gelten ließ. Seit fünf Jahren ist Stockhausen nun tot. In der Reihe „Musik der Gegenwart“ porträtiert Andreas Göbel einen Künstler, dessen Existenz schon zu Lebzeiten legendäre Züge hatte (Kulturradio vom RBB, 5. Dezember, 21 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Wenn Kinder in ihrer Familie leiden, gerät schnell das Jugendamt unter Verdacht. Warum schützt man sie nicht besser vor prügelnden Vätern oder nachlässigen Müttern? Wibke Starcks Feature „Kinder im Kreidekreis“ erzählt von Fällen, in denen das Amt energisch gehandelt hat. Kinder werden aus einer Problemfamilie entfernt und bei Pflegeeltern untergebracht. Doch hier fühlen sie sich zerrissen zwischen alter und neuer Welt, zwischen Loyalität zur Herkunft und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Kinder, Eltern, Pflegeeltern und Mitarbeiter eines Jugendamtes beschreiben ihre Sicht auf ein zutiefst dramatisches Ereignis (Kulturradio vom RBB, 5. Dezember, 22 Uhr 04).

Prominente Schriftsteller tun es auf der großen Bühne im Stadttheater, namenlose zwischen den engen Regalen einer Autorenbuchhandlung. Wenn das Werk in der Klause vollendet ist, gehen Autoren auf Reisen, um sich den Lesern zu zeigen. Autorenlesungen finden im kleinsten Provinznest ihr Publikum, mal sind sie knalliger Event, mal diskrete Geisterbeschwörung. Für ihr Feature „So, ich hör hier mal auf, Sie können das dann ja fertig lesen“ haben Anja Hirsch und Ulrich Rüdenauer deutsche Schriftsteller auf Lesetour begleitet. Amüsantes und Erhellendes über eine boomende Filiale des Literaturbetriebs (Deutschlandfunk, 9. Dezember, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Er war der letzte Theorieriese, auf dessen Schultern sich zu stehen lohnt. So schön hat ein prominenter Soziologe seinen Lehrer Niklas Luhmann gelobt. Luhmann, der in diesen Tagen 85 Jahre alt geworden wäre, hat die Funktionszwänge in der modernen Welt kühl seziert. Er hat die Gesellschaft gegen utopische Zumutungen verteidigt und zugleich versucht, ihr den Machbarkeitswahn auszutreiben. Matthias Eckoldts Feature „Die Autonomie der Systeme“ porträtiert einen Meister der soziologischen Beobachtungskunst und lässt sich von zwei Luhmann-Schülern intensiv über dessen unbestreitbare Verdienste aufklären (Kulturradio vom RBB, 10. Dezember, 19 Uhr 04).

Der Filialleiter eines Drogeriediscounters wird in seinem Laden erschossen. Zwar ist auch Geld verschwunden, doch die kalte Brutalität des Verbrechens deutet auf einen schwerwiegenderen Hintergrund. Lange tappen die Ermittler um Hauptkommissar Magnus im Dunkeln, erst ein zweites Verbrechen bringt sie weiter, aber die Spannung sinkt nicht, denn der Täter hat das nächste Opfer bereits im Visier. Dirk Josczoks Radiokrimi „Zahltag“ führt in die Welt eines großen Handelsunternehmens, in der Arbeitskämpfe mit harten Bandagen, ja mit allen Mitteln geführt werden (Deutschlandradio Kultur, 10. Dezember, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

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