Medien : Im Radio: Sex Pistols

Auch um den bösen, alten Punk-Rock werden mittlerweile nostalgische Tränen geweint. Man kann es schon seinen Enkeln erzählen, wie aus Rasierklingeln und Sicherheitsnadeln plötzlich kulturrevolutionäre Embleme wurden und ein stupide krachender Beat die Weicheier aus der Disko das Fürchten lehrte. Aus Tonbandinterviews mit mehr als hundert amerikanischen Punk-Veteranen entstand das Hörspiel "We are a Happy Family". Alle sind sie vor Ort dabei gewesen, damals in Michigan, vor gut einem Vierteljahrhundert. Sie haben die ersten Bühnenschreie der Sex Pistols miterlebt und sind tapfer in die Saalschlacht gegen den guten Geschmack gezogen. Nun erzählt jeder seine ganz eigene Geschichte des Punk. Die Wahrheit der oral history existiert nur im Plural und kann viele Widersprüche ertragen (Deutschlandfunk, 9. Dezember, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Wenn die Kunst im Kulturradio sich auf ihre formale Essenz besinnt, dann sind nicht Worte, sondern Klänge zu hören. Der Klangkünstler bereist Landschaften und Orte mit den Ohren und formt aus den schönsten Souvenirs seine musikalischen Kompositionen. Der Hall einsamer Schritte, die treibenden Fetzen eines in der Ferne geführten Gesprächs, das Singen technischer Apparate. Für ihr Hörstück "Between" hat Zohar Schlesinger Klänge im Berliner Jüdischen Museum gesammelt. (Radio Kultur, 12. Dezember, 23 Uhr 30, UKW 92,4 MHz).

Dass auch Bahnhöfe musikalische Wesen sind, beweisen Irmgard Maenner und Martin Daske mit ihrem Audio-Porträt des Kölner Hauptbahnhofs (Deutschlandradio, 12. Dezember, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Und der amerikanische Komponist Douglas Quin hat sogar die Klangwelt des Südpols erforscht: Was wir schon immer über die Kommunikationsgeräusche von Robben und Pinguinen wissen wollten (Deutschlandradio, 15. Dezember, 0 Uhr 05).

Dass auf deutschen Bühnen heute keine guten Klänge mehr erzeugt werden, behauptet Wolfgang M. Schwiedrzik in seinem Feature "Jenseits der Sprache". Der barock-behäbige Untertitel "Zum Niedergang der Sprechkultur auf deutschen Bühnen" verrät ziemlich genau, worum es dem Autor geht. Interessant, weil sich hier ein bekennender Achtundsechziger Berge von Asche aufs Haupt streut. Wir haben den Wohlklang des Theaters durch unsere ästhetische Neuerungssucht zerstört, klagt er heute. Da loben wir uns die amerikanischen Veteranen. Die halten Punk noch immer für die beste Musik, die je auf der Welt gespielt wurde (Deutschlandfunk, 15. Dezember, 19 Uhr 15, UKW 97,7 MHz).

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