Im RADIO : Stille Helden

Aus über 100 Stunden Originaltonmaterial enstand eine dramatischen O-Ton-Collage vom Leipziger Herbst 1989. Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Er war ein Pionier des Realitätsfernsehens in Deutschland. Dreißig Jahre lang hat „Ganoven-Ede“ sein Publikum zur Verbrecherjagd animiert. Gemeint ist natürlich der jüngst verstorbene Eduard Zimmermann, der im Hörspiel „XY – die Wahrheit kommt ans Licht“ von Giuseppe Maio noch einmal aus den Fernsehgrüften auftaucht. Autor Maio führt sein Publikum zurück in die späten Siebziger. Die Schüler Manuel und Albert sind regelmäßige Konsumenten der ZDF-Verbrechershow, nun haben sie einen dubiosen Herrn aus der Nachbarschaft ins Visier genommen. Kindliche Urängste und medial erzeugte Paranoia sitzen den beiden Privatfahndern im Nacken. Nur der kleine Held mit der großen Hornbrille, der im Fernsehen so eindrucksvoll das Gute verkörpert, kann jetzt noch helfen (Deutschlandradio Kultur, 4. November, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

Zum Jubiläum des Mauerfalls strömt die Erinnerung über alle Radiokanäle. Aus der Fülle empfehlen wir Ralph Oehmes und Karl-Heinz Schmidt-Lauzemis Hörspiel „Stille Helden siegen selten“. Eine dramatische O-Ton-Collage vom Leipziger Herbst 1989. Die Autoren haben sich damals mit ihren Mikrofonen unter die Demonstranten gemischt und Aktivisten der politischen Opposition interviewt. Aber sie hörten auch den SED-Funktionären und Staatssicherheitsmännern zu. Auch Immobilienspekulanten und Leipziger Rechtsradikale kommen zu Wort. Aus über 100 Stunden Originaltonmaterial entstand ein knapp einstündiges Kunstwerk, das ganz ohne Künstler auskommt (Kulturradio vom RBB, 6. November, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Die Stasi hat nicht nur Karteikarten hinterlassen. Bei der Spitzelarbeit sind auch hunderttausende Film- und Tondokumente entstanden, die heute in der Birthler-Behörde lagern. Das O-Ton-Feature „Wo sind wir bloß hingekommen?“ von Elke Kimmel und Marcus Heumann erzählt aus den letzten Monaten des Geheimdienstes, der zum Schluss noch zum „Amt für Nationale Sicherheit“ mutierte. Zwischen Herbst 89 und Frühjahr 90 zerfiel die alte Ordnung im Land, aber die Stasi versuchte den Betrieb aufrechtzuerhalten (Deutschlandfunk, 9. November, 22 Uhr 15, UKW 97,7 MHz).

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