Im RADIO : Todesengel und Markenfetischisten

Tom Peuckert

Jahrelang gab es in Deutschland eine furchtbare Verbrecherin. Ihr genetischer Fingerabdruck fand sich an vielen Tatorten quer durchs Land, meist ging es um Mord und andere Kapitalverbrechen. Vor kurzem hörte man nun, dass es sich bei der Dame um eine genetische Chimäre handeln soll, erzeugt durch Schlamperei in einer Fabrik, die Material für Gentests herstellt. Im neuen Tatort-Krimi „Die Unsichtbare“ von John von Düffel wird die monströse Killerin trotzdem noch einmal beschworen. Kommissarin Evernich ermittelt nach dem gewaltsamen Tod zweier polnischer Autohändler. Am Tatort entdeckt sie DNA-Spuren jener gespenstischen Frau, die in Polizeikreisen nur der Todesengel genannt wird (SWR 2, 14. Mai, 22 Uhr 03, Kabel UKW 107,86 MHz).

Seit einer Verfolgungsjagd über die Dächer, bei der ein Kollege zu Tode kam, leidet der ehemalige Polizist Flavières an Höhenangst. Mittlerweile arbeitet Flavières als Privatdetektiv und wird nun von einem alten Schulfreund beauftragt, dessen Frau zu beschatten. Die schöne Madeleine umgibt ein schreckliches Geheimnis. Wer die Geschichte zu kennen glaubt, hat sich nicht getäuscht. Nach dem Kriminalroman der Franzosen Pierre Boileau und Thomas Narcejac hat Alfred Hitchcock seinen wohl berühmtesten Film gedreht. Dabei war „Vertigo“ bei der Uraufführung eher ein Flop und kam erst nach Hitchcocks Tod zu cineastischen Ehren. Vielleicht hat das Autorin Regine Ahrem gereizt, es noch einmal mit der usprünglichen Version des Krimis zu versuchen. Ihre Hörspieladaption führt nicht wie bei Hitchcock nach Kalifornien, sondern ins Paris der fünziger Jahre (Kulturradio vom RBB, 15. Mai, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Es gibt bekanntlich eine Menge Markenfetischisten unter uns. Andere erliegen hin und wieder dem Zauber eines hochangesehenen Labels. Freie Geister, die noch nie der Suggestionskraft einer Marke verfielen, dürften eher selten sein. In ihrem Feature „Marken“ hat sich Autorin Margit Miosga mit dem emotionalen Wert der Warenzeichen beschäftigt. In den letzten 20 Jahren, so der zentrale Befund, ist deren Bedeutung rasant gestiegen. Erschaffung, Erhalt und materieller Wert der Marken sind Gegenstand ausgedehnter sozialwissenschaftlicher Forschungen. Das Feature vermittelt Einblicke in den aktuellen Stand der Erkenntnisse (Kulturradio vom RBB, 18. Mai, 19 Uhr 04).

Öland ist eine kleine Ostseeinsel, die zu Schweden gehört. Dass es dort nicht besonders gemütlich zugeht, werden die Hörer des Krimis „Öland“ wohl nicht so bald aus dem Kopf bekommen. Autor Johan Theorin erzählt eine eindrucksvolle Schauergeschichte, in der Vergangenheit und Gegenwart der Insel raffiniert verknüpft sind. Vor zwanzig Jahren verschwand auf Öland ein Kind, nun gibt es neue Spuren. Die unglückliche Mutter kehrt zurück, um Gewissheit über das Schicksal ihres Sohnes zu erlangen (Deutschlandradio Kultur, 18. Mai, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

Mittlerweile ist die Reproduktionsmedizin so weit fortgeschritten, dass ein Embryo auf etwa 7000 Merkmale für spätere Krankheitsrisiken untersucht werden kann. Wer in England viel Geld bezahlt, darf sich aus mehreren Embryonen den lebenstauglichsten heraussuchen lassen. Das Hörspiel „Die Unmöglichen“ von Paul Plamper und Julian Kamphausen führt in einen fantastischen „pränatalen Spekulationsraum“. Drei in vitro erzeugte Föten warten dort auf die Entscheidung ihrer Eltern, welcher von ihnen erwählt und ausgetragen wird. Bis es so weit ist, erzählen sie von ihrem kommenden Leben, das doch nur eine Möglichkeit ist (Deutschlandfunk, 19. Mai, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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