Im RADIO : Träumen, rauchen

Morgen höre ich auf – todsicher: Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Jeder seiner Romane handelt von den großen und letzten Dingen. Von Macht und Endlichkeit der Vernunft, von den unlösbaren Konflikten zwischen Freiheit und Gesetz. Der Brite Ian McEwan ist heute der wichtigste Repräsentant der bürgerlichen Aufklärung in der Literatur. Seine Hauptfiguren sind Ärzte, Juristen, Wissenschaftler. Der Autor bringt ihre Träume und Albträume, ihre politischen Wünsche und moralischen Sehnsüchte auf den aktuellsten Punkt. „Mystiker der Vernunft“ hat Thomas David sein Porträt des Meistererzählers überschrieben (Deutschlandradio Kultur, 16. Januar, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Ein Mann beschließt, mit dem Rauchen aufzuhören. Lange hat er dem Laster angehangen, jetzt soll endgültig Schluss sein. Doch am nächsten Tag ist er vor allem nervös und unglücklich, gequält von Verlustängsten. Wie würde Humphrey Bogart in „Casablanca“ wirken, wenn er statt Zigarette und Whisky eine Karotte und eine Tasse Hühnerbrühe konsumiert hätte? Als der Mann sich diese Frage stellt, liegt der Rückfall bereits hinter ihm. Rainer Links Feature „Morgen höre ich auf – todsicher“ ist der sehr persönliche Erfahrungsbericht eines Rauchers, der gegen seinen Dämon antritt (Kulturradio vom RBB, 17. Januar, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Jede Hochstapelei beginnt damit, dass einer seine wahre Identität verschleiert. Es gelingt ihm, mehr zu scheinen, als er ist. Er beweist schauspielerisches Talent, Verführungskraft, vielleicht Charisma. In Dietrich Leubes Langer Radionacht „Der große Bluff“ geht es um die Spitzenkräfte eines kriminellen Gewerbes. Um historisch verbürgte oder literarisch genial erfundene Hochstapler, die ihre Mitmenschen betrogen, in Atem hielten, zum Lachen brachten (Deutschlandfunk, 17. Januar, ab 23 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Direkt ins Herz der griechischen Krise führt Petros Markaris’ Radiokrimi „Sokrates lässt grüßen!“. Neben der Neigung des Staates, es mit den Bilanzen nicht allzu genau zu nehmen, gibt es im Heimatland des Autors auch eine individuelle Vorliebe für den Steuerbetrug. Aber nun werden in Athen die Leichen mehrerer prominenter Steuersünder gefunden. Alle bekamen zuvor per Mail eine Mahnung, unterzeichnet von einem „Nationalen Steuereintreiber“. Auch der Hinweis auf den Philosophen Sokrates findet sich (Deutschlandradio Kultur, 19. Januar, 21 Uhr 30).

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