Im RADIO : Traumrollen, Fallstudien

Seltsame Todesfälle bei Alfred Döblin, der Traum vom Fallen und neue Rollen für Nadja Tiller und Fritz Lichtenhahn: Die Radio-Woche im Überblick.

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Wo steht die Hirnforschung heute? Sind die Betriebsgeheimnisse unseres Kopfes weitgehend gelüftet oder werden mit jedem Fortschritt die Rätsel größer? Autor Matthias Eckoldt hat führende deutsche Neurowissenschaftler interviewt, es geht um Bewusstsein, Gedächtnis, Neuroprothesen, Psychopharmaka. Eckoldts Feature „Hirnforschung 2013“ bilanziert die Ergebnisse einer weit ausgreifenden Recherche. Nachrichten aus der neurobiologischen Praxis und die Selbstreflexion der Praktiker (Kulturradio vom RBB, 26. September, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Als junger Nervenarzt schrieb Alfred Döblin Geschichten über Figuren, deren Psyche mehr oder weniger behandlungsbedürftig war. Verwirrte, die verwirrende Dinge erlebten. Meist nahmen die Storys ein böses Ende. In Döblins Hörspiel „Reiseverkehr mit dem Jenseits“ ist ein seltsamer Todesfall aufzuklären. Ein Brauereibesitzer stirbt während einer spiritistischen Sitzung. Weil die Ermittlungen auf der Stelle treten, beschließt die Kriminalpolizei, sich an den Geist des Toten zu wenden. Mit überraschenden Folgen (Deutschlandfunk, 28. September, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Jeder kennt Träume vom Fallen. Mal ist das Fallen eher sanft, verbunden mit Faszination und Glück, mal ein panischer Absturz, von dem der Träumende schweißgebadet erwacht. Autor Tristan Vostry hat mehr als 20 Zeitgenossen in ein dunkles Zimmer gesetzt und sie gebeten, ihre Erfahrungen mit Fallträumen zu schildern. Zu hören sind surreale Nachtgeschichten, die sich jederzeit als Existenzmetaphern deuten lassen. „Die Fall-Studien“ heißt Vostrys Feature (Kulturradio vom RBB, 28. September, 9 Uhr 05).

Vor einigen Jahrzehnten sind sie Stars gewesen. Nadja Tiller war eine Ikone des frühen bundesrepublikanischen Kinos, Fritz Lichtenhahn ein Held auf deutschen Theaterbühnen. Nun leben die beiden Schauspieler hochbetagt im Seniorenheim, ihre langjährigen Lebenspartner sind bereits gestorben. Für sein Hörspiel „Traumrollen“ hat Autor Jean Claude Kuner den greisen Künstlern noch einmal selbige auf den Leib geschrieben. Ein Spiel zwischen Realität und Fiktion, halb Doppelporträt, halb ein Künstlerdrama (Kulturradio vom RBB, 29. September, 14 Uhr 04).

Der Wald stirbt, auch die Hippies sind schon fast verschwunden. Auf deutschen Marktplätzen erscheinen grell kostümierte junge Leute, die Ratten auf ihren Schultern tragen. Atomkraft ist allgemein verhasst, Schwerter sollen zu Pflugscharen werden. Das Feature „Zwischen Protest und Pessimismus“ von Meinhard Stark erinnert an die deutsche Jugendkultur der achtziger Jahre. Ein Jahrzehnt, das mit dem langen Abschied von den 68ern beginnt und mit einer vollkommen überraschenden „friedlichen Revolution“ endet (Deutschlandfunk, 29. September, 20 Uhr 05).

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