Im RADIO : Tschick, Kästner und Lachenmann

Eine Reise durch den wilden Osten: Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Vor ein paar Jahren gab es sie noch an jeder Straßenecke. Call-Shops, die kostengünstig Telefonate in die entlegensten Winkel der Welt anboten. Der Siegeszug der Handy-Flatrates hat ihnen den Garaus gemacht. Zuvor sind die Autoren Martina Schulte und Andreas Becker noch einmal tief in diese Welt fernmündlicher Kommunikationen eingetaucht. Ihr Feature „Nach Hause telefonieren“ lässt die Hörer teilhaben an globalen Heimwehmonologen, transkontinentalem Liebesgeflüster, weit ausgreifenden Geldgeschäften und anderen Lebensdramen, die im Call-Shop per Telefon verhandelt werden (Deutschlandradio Kultur, 19. Juli, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Maik ist in den Sommerferien allein zu Haus. Der Vierzehnjährige aus Berlin-Hellersdorf leidet an Liebeskummer und Langeweile, aber dann schaut überraschend Klassenkamerad Tschick vorbei. Tschick hat einen alten Lada geklaut, was vollkommen ausreicht, um ins große Abenteuer zu starten. Wolfgang Herrndorfs bezaubernder Roman „Tschick“ führt zwei Teenager auf eine Reise durch den wilden Osten. Ein literarisches Roadmovie, ebenso fantastisch wie real, ein Loblied auf die Welt vor der Haustür und auf Menschen, die man dort treffen kann. All das gibt es nun in einer schönen Radioadaption zu hören (Deutschlandfunk, 19. Juli, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Seine Bücher kann man als antinazistische Propaganda lesen. Diese antiautoritären Kinder, diese sanften, unentschlossenen Erwachsenen. Kein Wunder, dass Erich Kästners Romane im Jahr 1933 auf den Scheiterhaufen geworfen wurden. Trotzdem blieb der Schriftsteller während der Nazizeit in Deutschland. Renate Beckmanns Feature „Ich sehe zu. Ist das nichts?“ versucht, Kästners innere Emigration zu erklären. Kästner war zeitlebens Außenseiter, verweigerte sich auf diskrete und trotzdem nachhaltige Weise. Auch während der Nazizeit ging er ganz eigensinnige Wege (Kulturradio vom RBB, 20. Juli, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Der Komponist Helmut Lachenmann, 1935 in Stuttgart geboren, gehört zu den großen Avantgardisten der deutschen Musikszene. Eine Legende unter den Liebhabern der Neuen Musik, ein Künstler mit beträchtlichem Einfluss auf die jüngere Generation. Unter dem Titel „Begegnungen mit Helmut Lachenmann“ gibt es beim Deutschlandradio ein siebenteiliges Gesprächsporträt. Ein Streifzug durch die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts, Erinnerungen an wichtige Personen und Orte, Reflexionen über Stile, Techniken, Philosophien der Neuen Musik (Deutschlandradio Kultur, 23. Juli, 20 Uhr 03; Fortsetzung am 30. Juli).

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