IM RADIO : Tugend zu Weisheit

Tom Peuckert verrät, was Sie im Hörfunk nicht verpassen dürfen

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Mittlerweile ahnen wir, dass es keinen Hochleistungssport ohne Doping gibt. Was die Natur nicht freiwillig herausrücken will, wird ihr mit Stimulantien aller Art abgepresst. In seinem Feature „Außer Kontrolle“ erzählt Lorenz Rollhäuser, wie das Doping auch im Fußball angekommen ist. Manche sehen auf dem Rasen vor allem ein Duell der Techniker, aber Fußball ist eben auch Ausdauersport, ein permanentes Spiel an körperlichen Leistungsgrenzen. Rollhäuser berichtet von Bluttransfusionen, Steroiden und Kokain. Noch lebt der Fußball ohne großen Skandal, die Profis schweigen, die Fifa wiegelt ab. Aber für den Autor ist alles nur eine Frage der Zeit (SWR 2, 26. Mai, 22 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Wenn einer hundert Jahre alt geworden ist, hat er viel zu erzählen. Die kollektive Geschichte eines ganzen Jahrhunderts, eine gewaltige Fülle individueller Erfahrungen. Wer so lange lebt, hat vielleicht auch ein Rezept für Gesundheit und Lebensglück. Im Feature „Greise Weise“ lässt Autorin Ulrike Migdal einige Hundertjährige zu Wort kommen. Alte, die noch immer Kraft haben und sich freuen können. Die mehr zu tun haben, als auf den Tod zu warten. Greise Stimmen, lebenssatt, aber nicht gebrochen (Deutschlandfunk, 28. Mai, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Wer hätte beim Anblick des scheinbar mühelos aus der Leitung strömenden Trinkwassers noch nie Sorge gespürt? Wird das Lebenselixier wirklich für alle Zeiten reichlich vorhanden sein? Wird es Natur und Wissenschaft gelingen, aus verseuchter Flüssigkeit immer wieder neues Trinkwasser zu zaubern? Oder leben wir mit unserem großen Durst auf Kosten kommender Generationen? Autor Klaus Ihlau hat sich unter Wasserexperten umgehört. Sein Feature „Trinkwasser“ erzählt am ausgewählten Beispiel – der Belastung des Wassers durch Hormone – vom biologischen Gedächtnis des Wassers, von den Unterschieden zwischen Reinigung und Regeneration, von Hoffnungen und Befürchtungen (Kulturradio vom RBB, 29. Mai, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Jurij Schiwago stand nicht nur zwischen zwei Frauen, sondern auch zwischen der russischen Revolution und seiner bürgerlichen Herkunft. Er verbrachte Jahre in Gefangenschaft und starb, ohne einen Platz in der neuen Gesellschaft gefunden zu haben. Boris Pasternaks großer Roman „Doktor Schiwago“ erschien 1957 erstmals in Italien. Ein Jahr später bekam der Autor den Nobelpreis. Was für andere Schriftsteller die Erfüllung letzter Wünsche ist, wurde für den Russen Pasternak zum Albtraum. Das Feature „Unterschreiben Sie die Petition gegen mich!“ von Antje Leetz erzählt vom roten Terror gegen einen politisch verhassten Autor. Für direkte Repressalien war Pasternak zu berühmt, aber jede Gemeinheit gegen den Verfemten galt als erlaubt (Deutschlandradio Kultur, 29. Mai, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Früher war die Tugend ein Befehl. Ein festes System von Lehr- und Merksätzen, niedergeschrieben in Bibel und Fibel. Heute ist diesbezüglich alles ins Fließen und Rutschen gekommen. Wer von Tugend redet, macht sich schnell verdächtig. Dabei ist klar, dass die Menschheit ohne ein gewisses Maß an ethischer Disziplin längst ausgestorben wäre. Der Philosoph Matthias Eckoldt hat unlängst ein Buch über die Bedeutung der Tugend für die Gegenwart veröffentlicht. In seinem Radioessay „Wozu noch Tugend?“ analysiert Eckoldt die Dimensionen des Begriffs. Er kommt von den Kardinaltugenden zu den umstrittenen deutschen, von simplen Benimmregeln zur Metaphysik der Moral. Das Reden von der Tugend ist intellektuelle Leidenschaft, aber auch Selbstvergewisserung im Alltag (SWR 2, 30. Mai, 8 Uhr 30).

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