Medien : Im Radio: Über das Altern

Es gibt diesen berühmten Satz von Winston Churchill über die Politik und das Altwerden. Wer mit 20 nicht Sozialist ist, sagt Churchill, der hat kein Herz. Wer mit 40 noch Sozialist ist, besitzt keinen Verstand. Versuchen wir, diesen Wahrspruch auf ein zeitgenössisches Künstlerleben zu übertragen. Vielleicht ginge er so: Wer in der Jugend nicht gegen die Tradition rebelliert, dem fehlt die Seele des Künstlers. Wer es 20 Jahre später nicht geschafft hat, selbst Opfer jugendlicher Rebellion zu werden, der hat kein künstlerisches Talent gehabt. Im Feature "Die Malerfürsten" hören wir ein paar berühmte Herren, die mittlerweile über jeden Talentbeweis erhaben sind. Autor Joachim Gaertner hat die Maler Markus Lüpertz, Georg Baselitz, Jörg Immendorf, Gerhard Richter und Sigmar Polke vor sein Mikrofon geholt. Eine illustre Runde, ein spannendes Kapitel der bundesdeutschen Kunstgeschichte. Großartige Erfinder, begnadete Provokateure. Heute sind die Malerfürsten gesetzte Herren, die Schlösser bewohnen und wohldotierte Professuren verwalten. Und damit natürlich ein Skandalon für jeden Nachwuchskünstler. Die Fürsten räsonieren über Schönheit und Geschichte, schauen zurück auf ihre wilden Jahre und bedenken die Gegenwart mit milder Gelassenheit (Deutschlandfunk, 16. November, 19 Uhr 15, UKW 97,7 MHz).

Noch mehr zur Phänomenologie des Alterns erfahren wir in Sibylle Tamins Feature "Wer nicht jung sterben will, muss alt werden". Das Altern als innere Erfahrung. Veteranen des Lebens plaudern über ihre Sicht der Dinge, Experten aus Biologie, Psychologie, Ethnologie liefern Kommentare dazu. Wie im Kulturradio üblich, fehlt auch der Streifzug durch belletristische Diskurse zum Thema Altern nicht (Deutschlandradio, 14. November, 19 Uhr 05, UKW 89,6 Mhz).

Zwei Menschen, die im Alter in eine tödliche Krise stürzen, sind Hauptfiguren im Hörspiel "Primadonna, schwerer Held" von Wolfgang Spielvogel. Petra Kelly und Gert Bastian. Der friedensbewegte General und die linke Weltverbessererin. Nach zwölf gemeinsamen Jahren sind beide tot. War es Mord und Selbstmord? Im Hörspiel versucht eine Schauspielerin, die rätselhafte Liaison des alten Mannes und der jüngeren Frau zu ergründen. Auf der Suche nach den Quellen der Destruktion im Menscheninneren. Die Schauspielerin versetzt sich in Figuren aus dem Umfeld des Paares, imaginiert Familienangehörige und symbolische Szenen aus den bundesdeutschen Achtzigern. Die bravoröuse Corinna Harfouch in einem spannenden Monolog (Radio Kultur, 16. November, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

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