Im RADIO : Utopisten und Warentauscher

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Tom Peuckert

Rudolf Bahro war einer der prominentesten Regimekritiker der DDR. In den Siebzigern schrieb er ein Buch mit dem Titel „Die Alternative“, das die Obrigkeit im Osten an ihrer empfindlichsten Stelle traf. Nicht der Sozialismus ist schlecht, stellte Bahro klar, sondern die DDR ist nicht sozialistisch. Später ging er in den Westen, landete bei den Grünen und schrieb über die Notwendigkeit einer spirituellen Wende. Wie Bahros Leben von innen aussah, erzählt Matthias Eckoldt in seinem Feature „Leben und Sterben eines Utopisten“. Bahros Existenz, so Eckoldt, begreife man am besten in religiösen Kategorien: Glaubensdrang, Sehnsucht nach Erlösung, missionarischer Eifer. Eckoldt hat viele Weggefährten des vor zehn Jahren Verstorbenen getroffen, die Bahros außergewöhnliche Vita plastisch machen (Kulturradio, 5. Dezember, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Rüdiger Safranski ist durch ebenso gelehrte wie unterhaltsame Biografien über Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger und Schiller bekannt geworden. Eindringliche Porträts deutscher Geistesgrößen vor der intelligent ausgeleuchteten Kulisse des Zeitgeistes. Nun hat Safranski ein Buch über die Romantik in Deutschland geschrieben. Einerseits ein Kollektivporträt der Schlegel, Novalis, Eichendorff, andererseits die Auseinandersetzung mit dem Romantischen an sich. Eine weltverneinende Gefühlslage, aus der heraus in Deutschland gerne Politik gemacht wurde. Im Gespräch mit dem Journalisten Eberhard Sens berichtet Safranski über seine Forschungen. „Romantik: Eine deutsche Affaire?“, so der Titel der Sendung (Kulturradio, 6. Dezember, 22 Uhr 04).

Wäre Andrej Tarkowski nicht früh gestorben, hätte er wohl noch einen Film in Berlin gedreht. Auch der russische Regisseur interessierte sich für die deutschen Romantiker, besonders für E. T. A. Hoffmann, den der Volksmund Gespenster-Hoffmann nannte. Als Grenzgänger zwischen Realität und Traum, so wollte ihn Tarkowski porträtieren, als genialen Konstrukteur fantastischer Spiegelwelten. Es gibt ein Szenario für den geplanten, aber nie realisierten Film, aus dem hat Autor Kai Grehn ein Hörspiel gemacht. „Hoffmanniana“ beginnt in Hoffmanns Sterbezimmer. Gemeinsam mit dem Dichter reisen Freunde, Verwandte und diverse Spukgestalten ein letztes Mal in die Zauberreiche der romantischen Fantasie (SWR 2, 7. Dezember, 22 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

Irgendwann kam die Werbung auf die Verbindung von Sparsamkeit und Erotik. Geiz ist geil, hämmerte es von den Plakatwänden. Ein Angriff auf die gut domestizierte Kultur des Handels in Deutschland. In seinem Feature „Ebay – oder: Wie wild wird der Warentausch“ untersucht Autor Walter Filz vor allem die Rolle der titelgebenden Firma im neuen Handelskrieg. Ebay ist kein Händler, sondern ein Vermieter von Marktflächen. Hier finden sich seriöse Verkäufer, aber auch dubiose Schelme aller Art. Besonders in Deutschland florieren die Geschäfte. Filz hat auf den virtuellen Basaren herumgestöbert (Deutschlandfunk, 9. Dezember, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Die Deutschen leiden am Lärm, wie medizinische Statistiken eindrucksvoll beweisen. Lärm von Flugzeugen und Autostraßen, die Nachtmusik nebenan und der Rasenmäher hinterm Gartenzaun. In Sabine Webers Feature „Unsere Ruh ist hin …“ berichten Experten aller Art, was der Lärm mit Seele und Körper anstellt. Wir erzeugen Krach durch unseren Lebensstil, unser Begehren nach Mobilität und Komfort. Die Tendenz zu immer mehr Gedröhn und Getöse ist ungebrochen. Aber es regt sich Widerstand. Antilärmaktivisten vernetzen sich, die Bundesregierung hat ihre Forschungsmittel zum Lärmschutz in diesem Jahr fast verdoppelt (Deutschlandfunk, 11. Dezember, 19 Uhr 15).

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