Im RADIO : Versuch über das Alleinsein

Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Wer erschoss Präsident Kennedy? Eine Frage, die auch ein halbes Jahrhundert später noch Verschwörungstheoretiker auf den Plan ruft. Aber nun bringt Autor Christian Blees Licht in das Dunkel. Blees hat im Berliner Stasi-Archiv ein Tonband aus den frühen Sechzigern gefunden. Auf der Spur dieses Fundes reist er rund um die Welt und landet schließlich bei einem alten Mann, der gerade an Krebs stirbt. Nach dessen Geständnis, abgelegt im Hörspiel „Der Kaiser von Dallas“, werden schwindelerregende Korrekturen unseres Weltbildes nötig (Kulturradio vom RBB, 22. November, 22 Uhr 04, UKW 94,2 MHz).

Wenn einer stirbt, wird eine Trauerrede fällig. Wer zur Kirche gehörte, darf auf die Künste seines Pfarrers hoffen. Wer zu Lebzeiten rhetorisch begabte Freunde hatte, dem wird vielleicht sehr individuell nachgerufen. Für die anderen gibt es professionelle Trauerredner. Autor Michael Lissek hat drei Mitglieder dieses Berufsstandes getroffen. Sein Feature „Zwei Seiten Leben“ begleitet die Redner zum Erstkontakt mit Hinterbliebenen, hört ihnen bei Totenfeiern zu und lässt sie eine Trauerrede auf sich selbst halten (Deutschlandradio Kultur, 23. November, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Der 1760 erstveröffentlichte Roman „Tristram Shandy“ ist ein berühmtes Kuriosum der Literaturgeschichte. Ein Buch ohne Anfang und Ende, ja sogar ohne richtige Handlung. Mit der kunstvoll verworrenen Biografie des Tristram Shandy gelang Autor Laurence Sterne eine glänzende Satire auf das Aufklärungszeitalter und zugleich ein episches Schelmenstück, das alle ästhetischen Normen über den Haufen warf. Zu Sternes 300. Geburtstag erinnern Barbara Sichtermann und Joachim Scholl mit ihrer Radionacht „Lachen, Mylord, will ich, und zwar so laut ich kann“ an einen hochbegabten englischen Landpfarrer und sein unsterbliches Buch (Deutschlandradio Kultur, 24. November, 0 Uhr 05).

Der November ist eine gute Zeit, um auch mal über die Zumutungen des Lebens zu reden. Zum Beispiel über das Alleinsein. In Reinhard Schneiders Feature „Alleinsein“ berichten Zeitgenossen, wie sich dieser ungeliebte Zustand anfühlt und was sie in eine solche Lage gebracht hat. Wir hören Großstadtsingles, eine Hausfrau und Mutter, aber auch die Mitglieder einer Familie. Der Alltag der Einsamen ist verschieden, ihr Schmerz sehr verwandt. Ist Alleinsein nur ein Gefühl oder doch ein objektiver Tatbestand? (Kulturradio vom RBB, 24. November, 14 Uhr 04)

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