Medien : Im Radio: Vom Glück

Kannst Du nicht endlich still werden, fragt die Frau ihren Mann. Sie spürt seine Unruhe. Irgend etwas zerreißt ihn, eine dunkle, unklare Sehnsucht. Wie soll man leben? Wo? In der Stadt? Auf dem Land? Mit einer Familie oder allein? Was heilt die heillose innere Unruhe? Das Haus am Fjord ist es nicht, von dem die beiden so lange geträumt haben. Als sie endlich die Stadt verlassen und draußen in der Stille wohnen, flieht der Mann hinaus aufs Wasser. Immer öfter rudert er Richtung offenes Meer, bis er eines Tages nicht mehr zurückkehrt. Er verschwindet in der Natur, geht in die Elemente ein. Es ist eine dunkle Geschichte, die der norwegische Dramatiker John Fosse da geschrieben hat. Ein Stück nordische Mythologie, dessen Reiz auch Zeitgenossen weiter südlich empfinden können. "Sommertag" heißt Fosses Theaterstück, das nun in einer beeindruckenden Radioinszenierung zu hören ist. Eine sublim rhythmisierte Ballade, geprägt von minimalistischen Wiederholungen, die das Kreisende und in sich Verbohrte unserer Existenzgedanken kunstvoll nachbilden. Eine Frau erinnert sich an jenen Tag, an dem ihr Geliebter die Freiheit des Todes dem Gefängnis der Liebe vorzog. Sie steht am Fenster und sieht aufs Wasser hinaus. Gehüllt in eine schwere, zähe Trauer, wie es im Hörspiel heißt. Der Sinn der Geschichte ist einfach und universell zugleich. Der Ruhm, den sich Fosse mit seinen Stories zuletzt auch in Deutschland erschrieben hat, beruht wohl auf dieser fast magisch wirkenden Naivität. Das ist es, was die jungen Betreiber der Schaubühne an ihrem neuen Hausautor schätzen, und warum Fosses Stücke sogar im Iran gespielt werden. Das Abstrakte, sagt Fosse im Interview, ist nur von lokaler Gültigkeit. Die Erfahrung des Konkreten dagegen teilen alle Menschen. Das Konkrete ist also das wahrhaft Universelle. Fosses Universalien in diesem Drama sind: Wind und Meer, ein Mann und eine Frau, die Unfähigkeit, glücklich zu sein. (Deutschlandradio, 6. Mai, 18 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Das Glück hat auch Beate Uhse ihren Käufern nie versprochen. Nur etwas Erleichterung im täglichen Lebenskampf. Ein handfestes Spielzeug zur Nacht, ein sinnlicher Trost für einsame Singles und gelangweilte Paare. In der Reihe "Ohrlust" porträtiert Hannelore Hippe die Erfinderin der deutschen Erotikindustrie. Wie alles nach dem Krieg mit einer populären Verhütungsschrift begann, und wie daraus schließlich ein börsennotiertes Porno-Imperium wurde. "Nur Fliegen ist schöner" nennt sie ihr Feature. Beate Uhse höchstselbst plaudert sich durch ihr bewegtes Leben (Deutschlandfunk, 6. Mai, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben