Im Radio : Von Gummis und untreuen Männern

In ihrem Feature "Latex" erzählt Uta Rüenauvers von der Geschichte eines Naturmaterials, aus dem nicht nur Reifen gemacht werden. Christian Blees hat Detektive bei ihren ungewöhnlichen Recherchen begleitet.

Tom Peuckert

Im Jahr 1742 reist Georg Friedrich Händel nach Dublin, um dort den „Messias“ uraufführen zu lassen. Für sein Oratorium benötigt er die Chorsänger der Dubliner Kathedrale. Aber in der Stadt ist ein Misanthrop namens Jonathan Swift für alle Kirchenangelegenheiten zuständig. In Torsten Enders’ Hörspiel „Treffen in Dublin“ geraten zwei sehr berühmte Männer aneinander. Händel möchte Gott musikalisch preisen, der einstige Satiriker Swift will die Vermengung von Kirche und Amüsierbetrieb keinesfalls zulassen. Ein Stück über Gott und Welt, Kunst und Fundamentalismus (Kulturradio vom RBB, 22. März, 22 Uhr 04).

Sie heißen „Jerry Cotton“, „Perry Rhodan“ oder auch „Chefarzt Dr. Holl“. Sie haben zahlreiche Fans und nicht wenige Verächter. Ulrike Klobes Feature „Billige Träume?“ erzählt die Geschichte der Groschenromane in Deutschland. Von der Blüte im Kaiserreich bis zu den Schunddebatten der Gegenwart. Amerika hat seine „pulp fiction“ immer akzeptiert, während in Deutschland mehr als ein Kulturkampf tobte. Wer schreibt die bunten Hefte, wer liest sie, wer denkt wissenschaftlich darüber nach? (Kulturradio vom RBB, 24. März, 14 Uhr 04)

Latex ist Milchsaft aus der Rinde des tropischen Kautschukbaumes. In Südamerika kennt man seine Gebrauchseigenschaften schon seit 2000 Jahren. Aber erst Charles Goodyear erfand 1839 ein Verfahren, um Latex in den enorm vielseitigen Werkstoff Gummi zu verwandeln. Uta Rüenauvers Feature „Latex“ erzählt die Geschichte eines Naturmaterials, das heute meist durch synthetische Stoffe ersetzt wird, sich aber als zweite Haut des Menschen noch immer großer Beliebtheit erfreut (SWR 2, 24. März, 14 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Der literarische Privatdetektiv führt ein aufregendes Leben. Seine Intelligenz ist außergewöhnlich, die Waffe sitzt ihm locker im Hosenbund, meist läuft der Job auf ein Kapitalverbrechen hinaus. Für sein Feature „Matula ist kein Brotaufstrich“ hat Autor Christian Blees mit richtigen Detektiven Kontakt aufgenommen. Das sind die mit den langwierigen Observationsaufträgen, auf der Jagd nach untreuen Ehemännern, Schwarzarbeitern, säumigen Schuldnern. Das Feature blickt hinter die Kulissen eines mythensatten Gewerbes und gleicht Fiktion und Realität miteinander ab (Deutschlandfunk, 24. März, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Wer 1945 in Deutschland geboren wurde, hat auf der Sonnenseite der Geschichte gelebt. Der Krieg war zu Ende, der Hunger rasch überwunden, die Jahre des Wohlstands endlos. Mathias Greffraths Radioessay „Jahrgang 1945“ versucht, die Erfahrungen einer Generation zu bilanzieren. Mentalitätsprägend waren das Ende des bürgerlichen Fortschrittsglaubens und der Aufstieg globaler Kulturindustrien. Hat der Jahrgang 1945 den Gipfelpunkt westlicher Gesellschaftsentwicklung erlebt? (SWR 2, 25. März, 22 Uhr 03)

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