Im RADIO : Von Marcel Proust bis Hermann Hesse

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Tom Peuckert

Haben Sie den ganzen Proust gelesen? Oder sind Sie doch irgendwo auf den ersten hundert Seiten des großen Romans stecken geblieben? Wer wissen will, wie es danach weitergeht, darf auch dieses Jahr das Radio einschalten. Bereits zum fünften Mal startet der großartige Vorleser Peter Matic zu einem sommerlichen Lektüretrip. In der Gesamtlesung des Romans „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ sind wir nun also bei Band 5 angelangt. Marcel und seine Geliebte Albertine versinken in Strudeln des Begehrens und der Eifersucht. Große Wortzauberei, dialektische Psychologie vom Feinsten (Kulturradio, im Juli und August montags bis freitags, 14 Uhr 30, Wiederholung 23 Uhr 04, UKW 92,2 MHz).

Wenn es um den Ursprung des Lebens geht, denken populäre Gemüter gern an ein Monster namens Frankenstein. Eine Puppe aus geheimnisvollem Material plus ein paar zuckende Blitze, fertig ist das Lebewesen. Die Gebildeten unter uns mögen schon von der Ursuppe gehört haben, aus der angeblich alles Leben entstand. Wie es wirklich gewesen sein könnte, erzählt Robert Brammer in seinem Wissenschaftsfeature „Zündfunke der Evolution“. Natürlich haben auch heutige Nobelpreisträger nur Vermutungen, was geschah, als vor jenen geschätzten vier Milliarden Jahren das Leben auf die Erde kam. Das Feature stellt die interessantesten Hypothesen vor. Ebenso lehrreiche wie spektakuläre Szenarios aus Physik, Chemie und Biologie, die das Undenkbare irgendwie denkbar machen wollen (Deutschlandradio Kultur, 5. Juli, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

War Hermann Hesse wirklich ein großer Schriftsteller? Fast seit Beginn ist die lesende Welt da geteilter Meinung. Thomas Mann liebte und lobte, Gottfried Benn spottete und verachtete. Nur die Verleger hatten immer eine einhellige Meinung. Ein Verkaufsschlager ohne Beispiel war dieser Hesse, einer der weltweit am meisten gelesenen Autoren. Vor genau 130 Jahren kam Hesse im schwäbischen Calw zur Welt. Für Autor Joachim Scholl Anlass genug, sich eine Radionacht lang mit Leben und Werk des Nobelpreisträgers zu beschäftigen. Für „Ich war ein Suchender und bin es noch“ hat Scholl eine illustre Runde von Kritikern und Kennern ins Studio geholt, die trefflich über ihren Hesse streiten (Deutschlandradio Kultur, 7. Juli, ab 0 Uhr 05).

Ins historische Preußen führt der amüsante Radiokrimi „Königsblau“ von Tom Wolf. Eben hat der Franzose Honoré Langustier seinen Dienst als Leibkoch am Berliner Hof angetreten, da wird er schon zum polizeilichen Chefermittler des Königs gemacht. Ein Adjutant Friedrichs II. ist im Wald bei Charlottenburg ermordet worden. Langustier war Ohrenzeuge des Verbrechens. Mit Kombinationsgabe und typisch französischem Charme, der ihm überall die Türen öffnet, kommt der Küchenmeister einer staatsgefährdenden Verschwörung auf die Spur (Deutschlandradio Kultur, 8. Juli, 15 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Bekanntlich starb James Dean viel zu früh in einem viel zu schnellen Sportwagen. Ein dramatisch kurzes Künstlerleben, das sich heute als erstes Wetterleuchten der großen subkulturellen Revolte deuten lässt. Alfred Andersch hat über die Ikone der Beatniks ein berühmtes Hörspiel geschrieben: „Der Tod des James Dean“. Eine Collage aus Texten von Ginsberg, Cummings und anderen Beat-Poeten, kontrastiert durch die Reportage eines Boxkampfs. Eine furiose Radioproduktion aus dem Jahr 1959. Der Beweis, dass die Fünfziger auch ganz anders konnten (Deutschlandradio Kultur, 9. Juli, 0 Uhr 05).

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