Im Radio : Von Stanislaw Lem zu Dean Reed

Tom Peuckert verrät, was Sie demnächst nicht im Radio verpassen sollten. Darunter ist auch das eindrucksvolle Hörspiel "Die Mondnacht" nach Stanislaw Lem, in dem zwei Männer um Leben und Tod kämpfen.

Tom Peuckert

Ein illegales Spielcasino gleich hinter Cottbus, Raub und Geiselnahme, eine dramatische Rettungsaktion. Das alles kommt vor in der Kriminalgroteske „Eigen Fleisch und Blut“ von Oliver Bukowski. Trotzdem ist das Verbrechen nur die schönste Nebensache. Wichtiger sind die beiden Kommissarinnen Serjosha und Schultz, die hier gemeinsam den Dienstweg beschreiten. Serjosha stammt aus einer hessischen Adelsfamilie, Schultz aus dem tief proletarischen Osten. Autor Bukowski schickt seine beiden Hauptfiguren auf gnadenlose Pointenjagd. In atemberaubenden rhetorischen Duellen zeigt sich eine fulminante Hassliebe. Ein turbulenter Ost- West-Comic, der aus jedem Vorurteil Funken schlägt (SWR 2, 28. Februar, 21 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

 

Der polnische Autor Stanislaw Lem hat einige unsterbliche Science-Fiction-Fabeln erfunden. Abgründige Geschichten von Menschen in Notlagen, die meist aus technischen Abenteuern entstehen. Auch in dem eindrucksvollen Hörspiel „Die Mondnacht“ kämpfen zwei Männer um Leben und Tod. Der Sauerstofftank ihrer Forschungsstation auf dem Mond ist leckgeschlagen, die verbleibende Atemluft reicht nur für einen zum Überleben. In drangvoller Enge versucht jeder, den anderen zu beseitigen. Doch ein unzerstörbares Tonband zeichnet alle Geräusche in der Station auf. Welch wunderbare Grundidee für ein Hörspiel: ein Mord, der keinerlei akustische Spuren verursachen darf (Deutschlandfunk, 1. März, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

 

Einerseits haben die lieben Kleinen die ganze Woche lang hart für ihre Bildung gearbeitet. Andererseits fragen sich verunsicherte Eltern, ob der Sonntag wirklich nur dem Müßiggang gewidmet werden darf. Das Radio bietet auch hier einen Ausweg. Man serviere dem Nachwuchs zum süßen Frühstück einfach die schöne Sendung „Klassik für Kinder“. Einfühlsam, charmant und kindgerecht plaudert sich Moderator Stephan Holzapfel durch das Reich der sogenannten E-Musik. Es gibt Komponistenporträts und spielerische Diskurse zu musikalischen Formen und Themen, Musikinstrumente werden vorgestellt, ein Preisrätsel weckt Jagdfieber. Wenn die Marmeladenbrötchen aufgespeist sind, hat der Nachwuchs ganz ohne Mühe etwas dazugelernt (Kulturradio, immer Sonntags, 8 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

 

Der französische Surrealist Antonin Artaud ist heute ein Säulenheiliger im Museum der Kunstmoderne. Dabei hat er viele Jahre im Irrenhaus zugebracht, wo Ärzte ihn mit Elektroschocks von seinen Wahnideen heilen wollten. Die Achtundsechziger haben Artaud triumphal rehabilitiert und zum Propheten ernannt. Zum 60. Todestag des Künstlers hat Autor Michael Farin nun unter dem Titel „Schwarze Tasche/Finsteres Fleisch“ eine Hörcollage aus Texten und Briefen zusammengestellt. Noch einmal die bedrängenden Visionen eines metaphysischen Fundamentalisten. Die grellen Kassandraschreie, die Artaud gegen die bürgerliche Welt und ihre Rationalitätsgläubigkeit ausstößt (Deutschlandradio Kultur, 2. März, 18 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

 

Auch die DDR hatte ihre Cowboys. Der prominenteste war zweifellos Dean Reed, ein aus Colorado eingewanderter Sänger, der ein paar Jahre lang im ostdeutschen Unterhaltungsbetrieb ein großes Rad drehte. Man sah ihn in den wichtigsten Fernsehshows, wo er rockige Lieder sang und für Frieden und Sozialismus warb. Eines Tages aber fand man den charismatischen Amerikaner ertrunken in einem See gleich hinter Berlin. Gerüchte wussten von Liebeskummer und politischen Intrigen. In ihrem Feature „Der Cowboy im Sozialismus“ erzählen Arna Vogel und Christian Blees von Reed und anderen Amis in der DDR und wie sie versuchten, in Honeckers kleinem Reich glücklich zu werden (Deutschlandradio Kultur, 3. März, 0 Uhr 05).

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