Im RADIO : Was sagen wir zum Essen?

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Tom Peuckert

Die Klimakatastrophe ist nur eine Drohung, aber der Klimawandel kommt bestimmt. In unseren Breiten wird das Wetter trockener, wärmer, launischer. Für sein Feature „Liegestühle statt Schlitten“ hat Autor Dieter Jandt erkundet, wie diese meteoreologische Botschaft auf den Märkten angekommen ist. Jandt entdeckt das Verschwinden des klassischen Wintermantels, der vom allgegenwärtigen Übergangsmantel aus dem Sortiment gedrängt wird. Auch die Hersteller von Schlitten und Winterreifen suchen nach neuen Geschäftsfeldern. In der Dachbranche wird Sturmfestigkeit zum wichtigen Qualitätsmerkmal. Unternehmensberater bieten meteorologisches Risikomanagement und selbst der gemeine Konsument redet immer öfter von Klimabilanzen (SWR 2, 1. April, 22 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Hauptfigur in Ilona Jeismanns Hörspiel „Eine alltägliche Verwirrung“ ist die pensionierte Klavierlehrerin Lena. Einerseits ist Lena fast achtzig Jahre alt, andererseits folgt sie einer erotischen Versuchung wie ein Teenager. Der flüchtig erneuerte Briefwechsel mit einem Geliebten aus Jugendjahren führt zu einer romantisch-überstürzten Reise nach Wien. Lena flieht aus ihrem alltäglichen Kampf gegen Einsamkeit, Langeweile und Alzheimer-Furcht. Sie träumt davon, am Wiener Südbahnhof noch einmal mit Rosen überschüttet zu werden. Aber dann kommt alles furchtbar anders (Kulturradio vom RBB, 3. April, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Petja, Hotdog und Pepsi verbringen ihre Tage in einer öden russischen Kleinstadt, im Schatten des Atomkraftwerks. Petja ist Scharfschütze beim Werkschutz, Hotdog und Pepsi klauen Benzin auf dem firmeneigenen Parkplatz. Kein Wunder, dass das Personal in Oleg und Wladimir Presnjakows Hörspiel „Tötet den Schiedsrichter“ katastrophale Ideen ausbrütet. Weil ein italienischer Schiedsrichter angeblich ein Länderspiel der russischen Fußballnationalmannschaft verpfiffen hat, soll er nun umgebracht werden. Zur Realisierung des Plans reist die russische Horde in ein türkisches Touristenparadies. Das amüsante Hörspiel erzählt, wie die schrillen Loser dort von einem Malheur ins nächste taumeln (Deutschlandfunk, 4. April, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Obwohl Jakob von Gunten einer adeligen Familie entstammt, muss er eine Dienerschule besuchen. Im heruntergekommenen „Institut Benjamenta“ lernen die Zöglinge das perfekte Sich-klein-Machen, wie es dem Diener so gut zu Gesicht steht. Ein Diener, so heißt es, muss weniges lernen, das wenige aber gründlich. Jakobs Zukunftsaussichten haben sich darauf reduziert, eine „reizende, kugelrunde Null zu werden“. Wer Robert Walsers berühmten Roman noch nicht kennt, kann es nun mit einer schönen Hörspieladaption des „Jakob von Gunten“ versuchen (SWR 2, 5. April, 18 Uhr 20).

Der italienische Radioautor Daniele Dell''Agli hat entdeckt, dass die Metaphorisierung des Essens in der deutschen Sprache meist auf eine Herabwürdigung oder Denunziation hinausläuft. Verrät die negative Phraseologie in Sachen Nahrung und Nahrungsaufnahme etwas über unser kollektives Unbewusstes? Lassen sich aus der Geringschätzung elementarer sinnlicher Genüsse deutsche Wesenszüge entschlüsseln? Dell’Aglis Feature „Alles Käse? Eh Wurscht!“ nimmt die Spur dieser Vermutung auf. In keiner anderen europäischen Sprache wird Essen so entwertet. Die Deutschen, heißt es, essen gern und viel. Warum finden sie kein gutes Wort dafür? (Deutschlandradio Kultur, 8. April, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz)

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