Im Radio : Weibliche Rache, männliche Ängste

Zwei reiche Erfolgsfrauen drehen den Spieß im Hörspiel "Preisträgerinnen" um und leisten sich junge Männer zu Genusszwecken, im Radio-"Tatort" "Vorahnung" muss Kommissar Nebe den Mord an einem kleinen Mädchen aufklären.

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Was wäre, wenn die weibliche Emanzipation auf eine Art Rache hinausliefe? Frauen, die endlich genug Macht haben, üben Vergeltung für Jahrtausende männlicher Selbstherrlichkeit. Das Hörspiel „Preisträgerinnen“ von Marlene Streeruwitz spielt die männliche Angstfantasie am Beispiel durch. Zwei erfolgreiche Schriftstellerinnen mittleren Alters reden über das Leben. Sie sind dabei so – zynisch, wie man es gemeinhin nur Machos zutraut. Knallhart haben sie für ihren Aufstieg gekämpft, jetzt leisten sie sich junge Männer zu Genusszwecken. Zwei reife Erfolgsfrauen drehen den Spieß um. (SWR 2, 11. Oktober, 22 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

Detektiv Simon Brenner erwacht in einer Grazer Nervenklinik aus dem Koma, eine Schusswunde im Kopf. Wegen akuter Depressionen, so diagnostizieren die Ärzte, habe der Patient Hand an sich gelegt. Doch Brenner glaubt ihnen nicht. Zwar sind die Tage vor dem Schuss aus seinem Gedächtnis getilgt, aber andere Erinnerungen lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Alles verweist darauf, dass er mit ein paar Polizisten Probleme hatte. Im Hörspiel „Das ewige Leben“ verstrickt Autor Wolf Haas seine Figur in einen ominösen Selbstmordversuch (Deutschlandfunk, 13. Oktober, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz; Teil 2 am 20. Oktober).

Ist Autismus eine seelische Krankheit wie andere auch, oder doch eine Art heiliger Wahn, ein Zustand, der die normalen Existenzen fragwürdig erscheinen lässt? Das Dokumentarhörspiel „Oops, wrong planet!“ von Gesine Schmidt erzählt von den autistischen Zwillingen Konstantin und Kornelius. Einerseits sind die Mauern ihrer Isolation unüberwindbar, andererseits gibt es Texte, die die jungen Männer am Computer schreiben. Geheimnisvoll überraschende Lyrik und scharfsinnige Reflexionsprosa (Deutschlandfunk, 13. Oktober, 20 Uhr 05).

Der kleine Timm Thaler hat alles verloren – Eltern, Nestwärme, eine unbeschwerte Kindheit. Nur sein sehr schönes Lachen ist ihm geblieben. Aber da ist dieser merkwürdige Baron Lefuet, der es kaufen möchte. Autor Hans Helge Ott hat den Kinderroman „Timm Thaler“ von James Krüss für das Hörspiel bearbeitet. Es erzählt, wie Timm alles Geld der Welt gewinnt, aber etwas viel Wertvolleres verliert, und wie am Ende ein glücklicher junger Mann aus ihm wird (Deutschlandradio Kultur, 14. Oktober, 14 Uhr 05, UKW 89,6 MHz; Teil 2 am 21. Oktober).

Kommissar Nebe ist aus Frankfurt in die hessische Provinz, nach Rotenburg/Fulda, strafversetzt worden. Es gibt wenig zu tun, auch die Kollegen sind nicht besonders sympathisch. Aber dann liefert ein Rentner merkwürdig zerstörte Puppen bei der Polizei ab. Und dann findet man die Leiche eines kleinen Mädchens. Im Radio-Tatort „Vorahnung“ von Friedemann Schulz glaubt Nebe, dass der Tod des Mädchens und die Zerstörung der Puppen irgendwie zusammengehören (Kulturradio vom RBB, 15. Oktober, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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