Im RADIO : Wellen, Frühling und Kurt Cobain

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Tom Peuckert

Die Ratte hat bekanntlich einen katastrophalen Leumund. Sie knabbert schlafende Babys an und trägt Seuchen in die Stadt. Wer trotzdem vorurteilslos hinschaut, sieht vielleicht, dass Ratten ganz putzige Geschöpfe sind. Intelligent sind sie sowieso, behaupten die Rattenforscher. In ihrem Feature „Ratten“ hat Autorin Marianne Weil unsere gängigen Urteile und Vorurteile über die Spezies zusammengefasst. Aber wie ist die Ratte wirklich? Und was hält sie vom Menschen? Eine Recherche unter Rattenfans und Kammerjägern, Kanalarbeitern und Kleingärtnern und natürlich unter Rattenwissenschaftlern aller Disziplinen (Kulturradio, 6. Juni, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Bix Beiderbecke kam 1903 am Mississippi zur Welt, seine Vorfahren waren Deutsche. Er starb knapp 30 Jahre später in einem ärmlichen Viertel von New York. Dazwischen hat Bix Beiderbecke Musik gemacht, die die Nachwelt noch heute beschäftigt. Er spielte Kornett, ein vergessenes Blasinstrument, und hat auch noch den Cool-Jazz miterfunden. Seinen balladesken Soli klangen nach dem Wellenschlag des Mississippi und dem Schnaufen und Stampfen der alten Flußdampfer. In Ror Wolfs Hörspiel „Leben und Tod des Kornettisten Bix Beiderbecke aus Nord-Amerika“ reisen drei Männer auf so einem Dampfer und versuchen, sich an ihren alten Kumpel Bix zu erinnern. Sie wollen die Spreu vom Weizen trennen, die Legenden von der Wirklichkeit. Was sich im schwülwarmen Klima, eingelullt von den Rhythmen des Wassers und der Maschine, aber als zunehmend unmöglich erweist (SWR 2, 7. Juni., 18 Uhr 20, Kabel UKW 107,85 MHz).

„Klingt der Frühling anders?“

fragt Anselm Weidner in einem Wissenschaftsfeature, das dem Artensterben gewidmet ist. Ökologen verzeichnen seit Jahren dramatische Verluste in der Vogelwelt. Nicht nur die Exoten verschwinden aus der freien Wildbahn, sondern auch Allerweltstypen wie Star, Sperling oder Amsel werden seltener. Noch hört man auch im städtischen Hinterhof diverse Vogellaute, aber jüngere Messungen bestätigen, dass im Frühling tatsächlich weniger gezwitschert wird. Bald sind wir allein mit unseren heulenden Motoren und krachenden Musikanlagen (Deutschlandradio Kultur, 7. Juni, 19 Uhr 30).

Er sah toll aus und konnte großartig singen. Er war ein Rockstar, wie es Anfang der Neunziger keinen zweiten gab. Trotzdem hat sich „Nirvana“-Sänger Kurt Cobain 1994 eine Kugel in den Kopf geschossen. Eine Radionacht lang lassen Agnieszka Lessmann und Frank Olbert das kurze Leben des Grunge-Musikers Revue passieren. Cobain war mit der Sängerin Courtney Love zusammen, die beiden ergaben ein Paar, das zu wilden Medienfantasien einlud. „Was ich liebe, muss ich zerstören“ nennen die Autoren ihren Versuch, hinter den grellen Mediencomics etwas vom wahren Leben der beiden Stars zu finden (Deutschlandradio Kultur, 9. Juni, ab 0 Uhr 05).

Schon mal einem Frugivore begegnet? Das ist keine neue Spezies auf der Enterprise, sondern ein Mensch, der sich ausschließlich von Früchten ernährt. Der Strengste unter den Strengen, wenn es um gesundes und zugleich moralisch tadelloses Essen geht. Von frugivorischen und anderen radikalen Speiseplänen erzählt Dieter Jandt in seinem amüsanten Feature „Der Kampf der Fleischlosen“. Zwar sind sich Vegetarier in der Verachtung aller Fleischesser einig, aber im Inneren des Tempels toben heftige Kämpfe: Veganer gegen Vegetarier, Vegetarier gegen Vegetaristen, Frugivoren gegen den Rest der Welt. Jandt bietet Kostproben aus Jahrzehnten fleischlosen Sektierertums (Deutschlandfunk, 10. Juni, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

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