Im RADIO : Weltwärts mit Geheul

Von Arno Schmidt bis Allen Ginsberg - was Sie im Hörfunk nicht verpassen sollten

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Von Arno Schmidt wissen wir, dass er zu grimmiger Ironie neigte. Den Menschen hielt Schmidt für eine kuriose Gestalt, seinen vielbeschworenen Geist hat er einmal mit Holunderblüten verglichen. Das sind diese winzigen Gebilde, die ein paar Frühlingstage lang hübsch aussehen und dann vom Winde verweht werden. „Holunderblüte“ heißt Jan Philipp Reemtsmas Monolog, in dem ein Alter Ego des Schriftstellers zum Reden gebracht wird. Eine ebenso geistreiche wie komische Kompilation aus Schmidt’schen Texten, vom Schauspieler Edgar Selge eindrucksvoll interpretiert (Kulturradio vom RBB, 13. Mai, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Drei Jungen an der Schwelle zum Erwachsenenalter wollen eine Bank überfallen. Sie denken sich gar nichts Böses dabei, nur ein bisschen reich möchten sie werden. Aber dann wird aus dem sauberen Verbrechen ein blutiger Albtraum. In Wolfgang Zanders Radiokrimi „Unschuld“ erzählt einer der Täter die ganze Geschichte vom bösen Ende her. Ein sympathischer Junge, der nicht zum tragischen Helden taugt. Das Schicksal hat etwas anderes mit ihm vor… (Deutschlandfunk, 15. Mai, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Seit ein paar Jahren schon schickt das deutsche Entwicklungshilfeministerium junge Freiwillige in die ärmsten Regionen der Welt. Behütete Kinder des Wohlstands lernen globale Dissonanzen aus erster Hand kennen. Theres Waldbauer ist in Uganda gewesen und hat dort in einem Behindertenheim gearbeitet. Ihr Feature „Weltwärts“ ist ein akustisches Tagebuch, eine sehr persönliche Sicht auf das Land in Afrika (Kulturradio vom RBB, 15. Mai, 9 Uhr 05).

In Deutschland soll es ungefähr zehnmal mehr T-Shirts als Menschen geben. Den Lebensweg eines dieser minimalistischen Kleidungsstücke erkundet Jörn Klares Feature „Global-Tex“. Eine Textilgeschichte, die in Indien beginnt, in Deutschland ihren Höhepunkt hat und irgendwo in Afrika endet. Am Wegesrand trifft der Autor klagende Näherinnen, tapfere Kinderarbeiter, schweigsame Gewerkschafter, wortreiche Unternehmenssprecher (Deutschlandradio Kultur, 15. Mai, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Im Jahr 1955 erschien Allen Ginsbergs legendäres Langgedicht „The Howl“. Das große radikalpoetische Geheul der amerikanischen Lämmer über die Verderbtheit der Wölfe im eigenen Land. Eine wütende Kampfansage an den militärisch-industriell-nationalistischen Komplex. Regisseur Roland Steckel hat das Geburtsdokument der Beat-Bewegung eindrucksvoll als Hörspiel inszeniert (Deutschlandfunk, 18. Mai, 20 Uhr 10).

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