Im RADIO : Wie klingt der Glaube?

Erinnerungen an Andrej Tarkowski, Roland Schimmelpfennigs "Goldener Drach" und religiöse Geräusche: Was die Radiowoche zu bieten hat.

von

Meist soll es ein Job als Kindermädchen sein. Die jungen Frauen aus den armen Ländern träumen vom Leben in Deutschland, von Arbeit und Einkommen, von einem Wohlstand, der paradiesisch erscheint. Aber dann wartet nur ein schäbiges Bordell auf sie, Gewalt, Rechtlosigkeit und Missbrauch. Lorenz Schröters Feature „Ab morgen arbeitest du im Puff“ erzählt von Zwangsprostitution in Deutschland. Der Autor hat Frauen gefunden, die das alles erlebt haben. Ein Bordellbesitzer kann die Aufregung nicht verstehen – und die Staatsanwälte, die den Menschenhandel verfolgen (SWR 2, 28. März, 22 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Für den Regisseur Andrej Tarkowski war Film ein spirituelles Medium. Die Kinoleinwand ein Ort, um metaphysische Ideen zu beschwören, ein Fenster in das Reich übersinnlicher Wahrheit. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1986 hat der russische Kinophilosoph den Autoren Doris Liebermann und Natan Fedorowski eines seiner seltenen und stets höchst eindrucksvollen Interviews gegeben. In der Sendung „Begegnung mit Andrej Tarkowski“ ist das Gespräch noch einmal zu hören (Kulturradio vom RBB, 29. März, 19 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Roland Schimmelpfennigs preisgekröntes Drama „Der goldene Drache“ führt in ein asiatisches Schnellrestaurant irgendwo in Deutschland. Die klassischen Gerichte werden gekocht und ausgetragen, ein junger Chinese ohne Aufenthaltsgenehmigung kommt bei einer Zahnoperation in der Küche des Restaurants zu Tode, seine Schwester überlebt das täppisch-brutale Liebeswerben eines betrunkenen Deutschen nicht. Schimmelpfennigs Drama ist ein dunkel-zartes, federleichtes Märchen über das Fremd- und Verlorensein in dieser Welt. Eine magische Chinoiserie, von Regisseurin Iris Drögekamp kongenial als Hörspiel inszeniert (SWR 2, 29. März, 22 Uhr 03).

Ein erfolgreicher Kriminalautor langweilt sich. Er hat schon zu viele Leichen am Schreibtisch herbeifantasiert. Da kommt ihm der Anruf eines anonymen Auftraggebers gerade recht. Für ein Spiel im Museum soll er sich einen perfekten Mord ausdenken. Begeistert macht er sich ans Werk, aber als er sich zur Recherche ins Museum begibt, findet er eine echte Leiche. Genau dort, wo er sie in seinem Plot abgelegt hatte. Auch die Todesursache entspricht seinen Entwürfen. In Wolfgang Schorlaus Radiokrimi „Ein perfekter Mord“ muss der Autor nun sehen, wie er seinen lebendig gewordenen Fantasien wieder entkommen kann (Kulturradio vom RBB, 30. März, 22 Uhr 04).

Oliver Sturm hat die Berliner beim Beten belauscht. In der Stadt wird täglich in tausend Zungen mit Gott gesprochen. Sturm hat die Gebete der verschiedenen Weltreligionen, Kleinkirchen und Sekten mit dem Mikrofon aufgezeichnet. Sein Feature „Der Himmel über Berlin“ ist eine dichte Collage aus Glaubensgeräuschen. Die Musik des Betens, wie sie in den Tempeln des multikulturellen Berlin angestimmt wird. Jedem Glauben, so der Autor, liegt ein menschlicher Sinnstiftungstrieb zugrunde. Das Gebet ist sein tönender Ausdruck (Deutschlandradio Kultur, 4. April, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben