Im RADIO : Zwischen krank, genial und Koma

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Tom Peuckert

Vor 25 Jahren starb der französische Philosoph Michel Foucault. Seine Analysen der modernen Gesellschaft sind mittlerweile bis auf die Gemeinplätze unseres Bewusstseins vorgedrungen. Das Feature „Die Gewissheiten sprengen“ von Christoph Vormweg lässt Foucaults imponierendes Lebenswerk noch einmal Revue passieren. Die Geschichte eines Denkers, der die Spielregeln im bürgerlichen Gehäuse schärfer als andere sezierte und damit zum Helden der zeitgenössischen Kulturkritik wurde (Deutschlandradio Kultur, 25. Juni, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Ausgerechnet im Lokal „Reiche Ernte“ soll das Wiedersehen gefeiert werden. Vor einem Vierteljahrhundert hat man gemeinsam die Schule beendet, nun steht ein Klassentreffen ins Haus, bekanntlich der klassische Anlass für Lebensbilanzen. Auch die Hauptfigur im Hörspiel „Erntelied“ von Steffen Thiemann wird von der überraschenden Einladung in eine melancholisch getönte Nachdenklichkeit gestürzt. Der Mann ist unterwegs in die Stadt seiner Kindheit, eine Autobahnreise lang bedrängen ihn die Erinnerungen. (Kulturradio vom RBB, 26. Juni, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Sie heißen Hawelka, Central, Gerbeaud, Slavia oder Flore. Man findet sie in den Großstädten der Alten Welt, die Reiseführer schwärmen von ihrer glanzvollen Vergangenheit als Bühne, Marktplatz und Schaffensort. Gemeint sind die großen Literarischen Cafés, denen Autor Holmar Attila Mück eine ganze Radionacht widmet. In „Allein in guter Gesellschaft“ beschwört er alles noch einmal herauf: die Schar der Kaffeehaus-Literaten, die berühmten Wirte und ihre zuweilen berüchtigten Kellner, den allgegenwärtigen Lärm und die manchmal gedankenschwere Stille dieser Orte (Deutschlandradio Kultur, 27. Juni, ab 0 Uhr 05).

Mittlerweile ist die Berichterstattung über schwerstbetrunkene Kinder und Jugendliche eine feste Rubrik in den lokalen Medien. Jedes Wochenende werden sie von der Polizei aufgegriffen, was früher diskret geschah, wird zum öffentlichen Ereignis. Das preisgekröntes Feature „Koma Kicks“ von Tom Schimmeck erzählt aus dem Milieu junger Kampftrinker (Deutschlandradio Kultur, 27. Juni, 18 Uhr 05).

Antonin Artaud ist heute ein Säulenheiliger im Museum der Kunstmoderne. Dabei hat der französische Extremkünstler viele Jahre im Irrenhaus zugebracht, wo Ärzte ihn mit Elektroschocks von seinen Wahnideen heilen wollten. Die Achtundsechziger haben Artaud triumphal rehabilitiert und zum Propheten ernannt. Unter dem Titel „Schwarze Tasche/Finsteres Fleisch“ hat Autor Michael Farin eine Hörcollage aus Texten und Briefen Artauds zusammengestellt. Die Existenzqualen eines kranken Genies, das manchen nur als krank und anderen nur als genial erschienen ist (Deutschlandradio Kultur, 28. Juni, 18 Uhr 30).

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