Medien : Im RBB-Ratskeller

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Joachim Huber verfolgt eine ganz normale RundfunkratsSitzung

Historisch war sie nicht, die konstituierende Sitzung des Rundfunkrates für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Auch wenn das Ereignis bedeutend war: Die Landesrundfunkanstalten von Berlin und Brandenburg, SFB und ORB, haben sich zur Fusion verabredet. Die neue Zwei-Länder-Anstalt braucht so genannte Organe zum Funktionieren, und seit Mittwochabend hat sie ihr erstes Organ: einen Rundfunkrat mit 15 Berlinern und 15 Brandenburgern.

Das Gremium ist, wie die Premiere zeigte, mal Verein, mal Hinterzimmer. Ein Vorsitzender muss her, eine Stellvertreterin, eine Satzung. Das klappt reibungslos, weil die Vorabsprachen im Hinterzimmer vorzüglich geklappt haben. Einer schlägt vor, dass die Spitze des Gremiums von je einem Berliner und einem Brandenburger sowie von einer Frau und einem Mann besetzt wird. Kein Gegenvorschlag, keine Diskussion, angenommen. Einer schlägt Bertram Althausen als Gremienchef vor. Der Superintendent der evangelischen Kirche in Potsdam hat sich als Vorsitzender des ORB-Rundfunkrates bewährt. Kein Gegenvorschlag, keine Diskussion, Althausen erzählt seine Biografie und wird mit satter Mehrheit gewählt. Dann schlägt einer die Berliner PDS-Politikerin Bärbel Grygier als Stellvertreterin vor. Kein Gegenvorschlag, keine Diskussion, Grygier erzählt ihre Biografie und wird mit satter Mehrheit gewählt.

Die Entmündigung der einzelnen Mitglieder auf Beschluss aller Mitglieder geht noch weiter. Der RBB braucht einen Intendanten. Althausen schlägt eine siebenköpfige Findungskommission vor, kein Gegenvorschlag, keine Diskussion, nur die Zusammensetzung braucht noch einige Zeit im Hinterzimmer – kein Beschluss.

Die Wortmeldungen und die Beiträge während der Sitzung lassen erkennen, dass die Findungskommission ein hervorragender Vorschlag ist. Wie in jedem deutschen Verein gibt es Kundige, Gewiefte, „Ansager“ und „Stimmvieh“. Findungskommission und der noch zu bestimmende Verwaltungsrat sind der „Inner Circle“, die Machtgremien, die Mauschel-Runden. Sie tagen nicht öffentlich, ihre Vorgaben werden dann im Rundfunkrat – natürlich auf spontanen Vorschlag hin – öffentlich abgestimmt. Die RBB-Gremien werden funktionieren, wie die Gremien von ORB und SFB funktioniert haben. Da muss nichts Katastrophales herauskommen. Die konstituierende Sitzung führt freilich vor, dass die innovative Kraft, die vom RBB und namentlich von seinen künftigen Mitarbeitern verlangt wird, in seinem Aufsichtsgremium nicht steckt. Ein „Weiter so“ als Zukunftsschwur.

Ein bisschen historisch war’s dann doch. Die Sitzung wurde parallel und identisch in SFB1 und im ORB-Fernsehen zusammengefasst. Ein regionales Programm auf zwei regionalen Kanälen. Dafür reicht dann auch ein einziger Kanal für Berlin und Brandenburg, wird der Zuschauer festgestellt haben. Der RBB kann kommen.

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