Medien : Im Reich der Sinne

Markus Ehrenberg

Nach Fußballspielen im Fernsehen hätten Paare besseren Sex, meinte neulich Harald Schmidt. So gesehen war der zweite WM-Tag nicht nur für die ARD ein schöner Tag. Gerhard Delling und Günter Netzer sahen jedenfalls nach ihrem Premierenspiel England gegen Paraguay ziemlich entspannt aus. Selbstironie und Flachs, die bekannte Tonlage zum Warmwerden: Delling kannte die Größe von Netzers Schlafzimmer, Netzer die Schwächen von Klinsmanns Abwehr.

Die Form dieses Gespanns aus Moderator und Experte stimmt, auch bei ihrer dritten WM. Wortspiele hin, Gagen her: Seien wir froh, dass wir sie haben, obwohl Netzer mit Jürgen Klopp im Zweiten ein kluger Konkurrent bei der Wahl zum besten TV-Experten erwächst.

Apropos. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Ex-Nationalspielertrainer als „Experten“ vor die Kamera gezerrt werden, um zu sagen, dass Brasilien Favorit, der Rasen gut und Deutschland eine Turniermannschaft ist. Am Samstag war das Eike Immel im „Bahn Talk“ (DSF), heute darf Pierre Littbarski ran (RTL).

Gut, dass es die Fernbedienung gibt. Auch wegen der Unmengen an Gewinnspielen und Trailern, die immer viel lauter sind als Delling & Co. zuvor. Das nervt! Ich falle jedes Mal vom Sofa. Objektiv sei die Werbung nicht lauter als das restliche Programm, sagen die Sender, es sei schlichtweg ein Wahrnehmungsproblem. Na klar, und Togo wird Weltmeister.

Ein Wort noch zu den Bildern. Stimmt mit meinen Sinnen wirklich was nicht? Sind die Kameras in den Stadien vom Spielfeld zu weit weg positioniert? Sind die Balken schuld, mein Fernseher im alten 4:3-Bildformat? Oder doch die Frankfurter WM-Arena? David Beckham sah in der Totalen aus wie eine Figur im Handy-TV, so klein war er. Dabei hat er jetzt wieder schöne Haare. Und wohl auch besseren Sex.

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