Medien : Im RTL-Heizungskeller

Ein Herrenquartett absolviert das erste Fernsehduell zum NRW-Wahlkampf

Bernd Gäbler

Das war er also, der televisionäre Auftakt zum Schluss-Spurt im NRW-Wahlkampf. RTL legte vor, die Öffentlich-Rechtlichen werden am 17. Mai nachlegen. Dann aber mit Damenbeteiligung. Es sollte wohl für das besondere Flair des industriellen Herzens der Republik stehen, dass nicht aus einem bewährten Studio, sondern aus dem Industriepark im Duisburger Norden gesendet wurde. Allein, es sah aus wie eine Begegnung im bunt ausgeleuchteten Heizungskeller. Vielleicht hatte ja der Bühnenbildner eine Metapher für drohende soziale Kälte gesucht. Immerhin waren fünf Kameras im Einsatz, eine davon fast permanent im Bild. Auch für die Einspieler war jeder Aufwand vermieden worden, immerhin kam durch zwei spärliche O-Töne doch noch Weibliches ins Herrenquartett. Publikum aber sollte nicht sein. Weit und leer wirkte der Heizungskeller.

Artig gaben sich die wahlkämpfenden Kontrahenten vorher und nachher die Hand, bescheinigten sich Fairness nur zum Auftakt, weil sie gelegentlich kräftig auskeilten, bis sie brav die gelernten Schluss-Statements abgeben durften.

In kein Korsett von Regeln wolle man sich zwingen lassen, betonte RTL-Anchorman Peter Kloeppel, der sich gewohnt gelassen bemühte, wenigstens die Themen in etwa sortiert zu halten.

Hart, aber fair solle es zugehen, wünschte sich Heiner Bremer, unfreiwillig eine populäre Konkurrenz-Sendung zitierend. Der ehemalige Nachtfalke von RTL scheint sich inzwischen daran gewöhnt zu haben, für den weniger frequentierten Spartensender n-tv zu sprechen, weswegen ihm die Fragen bisweilen zu recht komplexen Statements eines Energiemix-Experten oder bildungspolitischen Logikers gerieten. Immerhin hatten die Kandidaten eine entscheidende Lehre aus den früheren Stoiber-Schröder-Bataillen gezogen: Sie trugen unterschiedliche Krawatten.

Und beide versuchten nicht nur sich, sondern auch der Vertrauenskrise in die Politik zu begegnen, indem sie taten, als wären sie eins gewiss nicht – normale Politiker. Versprechen mochten sie nicht viel. Arbeit, das haben wir gelernt, soll durch bessere Rahmenbedingungen entstehen. Um äußerste Klarheit und Präzision, gegen alles Vage beim wolkigen Gegner stritt überraschend aggressiv Peer Steinbrück. Wüsste man nicht Bescheid, man hätte ihn für den zur Macht drängenden Herausforderer halten können, der unbedingt das Zeug zum strebsamen Finanzminister hat.

Mit weniger Details hielt sich Jürgen Rüttgers auf, stets bemüht, die Contenance zu wahren und schon landesväterlich von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch zu machen. Das von Heiner Bremer bemühte Wort Aufklärung war für das thematische Durcheinander zu hoch gegriffen, aber so viel zumindest war erkennbar: Steinbrück will die Seinen wachrütteln, Rüttgers am bewegungsarmen Mikado-Wahlkampf festhalten.

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