Im Sat-1-Schatten : Unter ferner liefen

"Eins gegen Eins" oder die schwere Talkaufgabe des Claus Strunz.

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Harter Hund. Claus Strunz will sich mit „Eins gegen Eins“ keine Freunde machen, Quoten wären ihm lieber. Foto: Sat 1
Harter Hund. Claus Strunz will sich mit „Eins gegen Eins“ keine Freunde machen, Quoten wären ihm lieber. Foto: Sat 1

Fernsehen kann ein grausames Medium sein. Bereits am Tag nach der Ausstrahlung liest der Mitarbeiter an der Quotentabelle den Misserfolg seiner Anstrengungen ab. Am Dienstagmorgen also konnte Claus Strunz erkennen, dass er mit seinem Sat-1-Talk „Eins gegen Eins“ am Montag 390 000 Zuschauer erreichte, was einem Marktanteil von 3,2 Prozent entspricht. In der Zielgruppe des Privatsenders, bei den 14- bis 49-Jährigen, sehen die Zahlen nur wenig besser aus: 210 000 Zuschauer ergeben einen Marktanteil von 3,6 Prozent. Nun wird keiner bei Sat 1 von Talk und Moderator den aktuellen Juni-Wert des Programms von 9,2 Prozent erwarten, zugleich wurde und wird mehr erwartet: mehr als die durchschnittlich 450 000 Zuschauer während der bisherigen elf Ausgaben seit dem 21. März, mehr als der erzielte Marktanteil von 3,8 Prozent.

Das Konzept ist glasklar, ein Moderator holt sich zwei bipolar gestimmte Gäste zum strittigen Thema ins Studio. Klartext ist gefordert, Votings zu Anfang und Ende jeder Sendung zeigen an, ob sich die Meinung der Zuschauer durch die Sendung geändert hat. Am vergangenen Montag ging es bei „Eins gegen Eins“ um „Jugendgewalt – Brauchen wir die Null-Toleranz-Politik?“ Dafür war der bayerische CSU-Innenminister Joachim Hermann, dagegen der ehemalige Berliner Justizsenator, der Bündnisgrüne Wolfgang Wieland. Nichts gegen diese beiden Persönlichkeiten, aber sie werden ein bundesweites, möglichst junges Publikum nicht in großer Schar vor den Schirm ziehen können.

Die erste Reihe meidet „Eins gegen Eins“, es kommt eher die zweite, zuweilen die dritte. Die Gäste stammen nicht aus dem politischen Echo-Raum, sie erzeugen auch keines. Dann findet „Eins gegen Eins“ bei Sat 1 statt, das ist bis auf wenige Inseln kein Programm, das mit politischer Information punkten will. Da war Claus Strunz bei n-tv („Grüner Salon“) und bei N 24 besser aufgehoben, wo er mit „Was erlauben Strunz?“ die erfolgreichste Talkshow des Nachrichtensenders moderierte.

„Eins gegen Eins“ läuft noch einmal am 20. Juni, dann ist Sommerpause. In der neuen TV-Saison soll Strunz mit „Eins gegen Eins“ wiederkommen. Allerdings hat er bis dahin seinen Job im Springer-Reich gewechselt. Aus dem Chefredakteur des „Hamburger Abendblatts“ wird der Geschäftsführer TV- und Videoproduktionen bei Axel Springer geworden sein. Was jetzt noch nach dem TV-Hobby eines Print-Chefredakteurs aussieht, ist dann Kerngeschäft. Claus Strunz wird sich steigern müssen. Joachim Huber

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