Image : „Das Licht war Glückssache“

Wie das Afghanistan-Foto von Verteidigungsminister zu Guttenberg entstand

Kurt Sagatz
310078_0_23394ed7.jpg
Der Verteidigungsminister am Hindukusch.Foto: ddp

Jeder Mensch, vor allem, wenn es sich um einen Politiker handelt, hat seine bevorzugte Pose. Bei Bundeskanzlerin Angela Merkel sind es die zusammengelegten, nach unten weisenden Hände. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg liebt extrovertiertere Gesten, wie die auseinandergestreckten Arme, mit denen er sich scheinbar der ganzen Welt öffnen möchte. Ebenfalls typisch Guttenberg: die in den Hosenbund eingehakten Finger, lässig, weltmännisch, fast feldherrenhaft. Spätestens seit letztem Freitag kennt in Deutschland jeder Zeitungsleser diese Pose. Das Bild des Ministers im Flugzeug über Afghanistan, umgeben von uniformierten Reisebegleitern, wurde von fast jeder großen Zeitung des Landes auf der Titelseite gedruckt.

So typisch die Aufnahme für den alerten CSU-Politiker sein mag, dass sie in dieser Form zustande kam, hat mehrere Gründe, die eines miteinander verbindet – der Zufall, der eine entscheidende Rolle spielte. Zu den Besonderheiten des Fotos gehört, dass die perfekte Beleuchtung mehr zu einem Bildband denn zu einem Pressefoto zu passen scheint. Genau darum handelt es sich bei der Aufnahme von ddp-Cheffotograf Michael Kappeler, der den Verteidigungsminister als Poolfotograf für die Nachrichtenagenturen zum Hindukusch begleitet hat. „Das Bild aus der Transall-Maschine ist in keiner Weise gestellt“, sagte er dem Tagesspiegel nach seiner Rückkehr aus Afghanistan. Der Minister sei von seinem Platz im Cockpit der Maschine zur Reisegruppe, zu der auch andere Journalisten von Agenturen, Zeitungen und Fernsehen gehörten, in den hinteren Teil des Flugzeuges gegangen, um sich mit ihnen zu unterhalten. „Dass das Licht in dem Moment so schön durch die kleinen Fenster scheint, war reine Glückssache“, sagt Kappeler. „Ungewöhnlich ist höchstens, wie sich die Zeitungen auf dieses eine Titelfoto konzentriert haben, obwohl es noch 64 weitere von dieser Reise gab.“

310077_0_edaadc61.jpg
Karl-Theodor zu Guttenberg in New YorkFoto: ddp

Für Agenturfotografen gelten klare Regeln, bei denen Authentizität und Wahrhaftigkeit ganz oben stehen. Die Kunden der Agenturen, ob Zeitungen oder elektronische Medien, müssen sich ohne weitere Kontrollen darauf verlassen können, dass Aufnahmen und Bildbeschreibungen den Tatsachen entsprechen. Diesen Anspruch unterstreicht Bernd von Jutrczenka. „Es ist beinahe eine philosophische Frage, ob Fotos von einem Staatsbesuch mit rotem Teppich und festgelegten Kamerapositionen gestellt sind oder nicht“, sagt der dpa-Fotochef. Wenn es sich um ein bewusst gestelltes Bild handelt, muss darauf in der Bildbeschreibung ausdrücklich hingewiesen werden. „Bei einer Themenbebilderung mit einem Symbolfoto wird dies mit dem Hinweis ,Illustration‘ deutlich gemacht, bei einem Politiker steht in der Beschreibung, dass hier posiert wurde.“

So wie es bei einer weiteren Aufnahme von Karl-Theodor zu Guttenberg geschehen ist. Im März war Guttenberg noch als Wirtschaftsminister in die USA gereist. Spontan schlug er für eine lockere Aufnahme in New York den abendlichen Times Square vor. Die entstandenen Fotos haben, wie das Bild aus dem Transall-Flugzeug über Afghanistan, das öffentliche Bild von zu Guttenberg mitgeprägt. Wiederum ein Zufall ist es, dass ddp-Fotograf Michael Kappeler auch in New York dabei war. Eine so große Nähe wie die von Jupp Darchinger zu Helmut Schmidt wäre nicht mit dem journalistischen Anspruch eines Agenturfotografen vereinbar. Vor allem, wenn Bilder mehr als Worte sagen. Bei Michael Kappeler zeigen dies seine Aufnahmen von Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel, von Tom Cruise und Robbie Williams, seine Aufnahmen von großen Sportveranstaltungen wie den Olympischen Spielen und der Leichtathletik-WM in Berlin oder von seinen Reportagereisen nach Afghanistan.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben