Medien : Imperien und Roy Black

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Wer morgens schon von Bildungshunger geplagt wird, kann den Südwestrundfunk einschalten. Der Tag beginnt hier mit appetitlichen Lektionen. Halb Neun startet die Reihe „Wissen“ , in der es diese Woche um den Zusammenhang von Biorhythmus und Leistungsfähigkeit geht. Nach den Neun-Uhr-Nachrichten kommt die „Musikstunde“ . Eine Woche lang lernen wir die musikalischen Leistungen der Mongolen kennen. Kurz nach zehn folgt dann die Reihe „Eckpunkt“ . Kleine, essayistisch inspirierte Features zu unterschiedlichsten Themen. Heute hören wir von Mädchen, die Mobbing betreiben (SWR 2, Montag bis Freitag, 8 Uhr 30 bis 10 Uhr 30, UKW Kabel 107,85 MHz).

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Niemand kann die Logik des Imperialen so gut erklären wie der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Dank Münkler weiß man, was das heutige Amerika im Innersten antreibt und welchen Gefahren es ausgesetzt ist. „Was ist ein Imperium?“ heißt das Radiogespräch, das Eberhard Sens mit Münkler geführt hat. Es geht um Weltherrschaftsambitionen in Vergangenheit und Gegenwart (Kulturradio, 6. Oktober, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Die zeitgenössische Arbeitswelt wandelt sich rasant. Mit immer weniger Proleten macht das Kapital immer größere Gewinne. Alles sehnt sich danach, ordentlich ausgebeutet zu werden, aber die Exklusionsmechanismen werden brutaler. Diese Entwicklungen begreifen wir am besten beim Rückblick auf die Arbeitswelt von gestern. Das dreißig Jahre alte Hörspiel „Glassplitter“ führt uns in eine Firma der DDR. Hauptfigur Luzi ist Reinigungskraft und feiert gerade ihren 59. Geburtstag. Es herrscht Sozialismus, also Vollbeschäftigung, also ein fundamental anderer Blick auf das Phänomen Arbeit. Die Autoren Peter Troche und Peter Goslicki erzählen von einer Arbeit, die das unbefragte Existenzgehäuse aller Figuren ist. Konflikte hat man hier nicht mit der Arbeit, sondern „auf Arbeit“ (Kulturradio, 7. Oktober, 22 Uhr 04).

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Zwar haben alle süchtigen Spieler im Grunde die gleichen Ideen im Kopf, trotzdem ist es immer wieder interessant, einem konkreten Exemplar der Gattung zu begegnen. Im Feature „Die Spielerin“ porträtiert Regine Beyer eine Frührentnerin Ende vierzig, die ihre Tage im Casino verbringt. Wie die Figuren in Dostojewskis legendärem Spieler-Roman hat sie ihre festen Zahlen, ihr statistisches System, ihre Vision vom großen Erfolg. Wie fast alle notorischen Spieler behauptet sie, keineswegs spielsüchtig zu sein. Sie wird nur so lange spielen, bis der Jackpot geknackt ist. Schon morgen kann es so weit sein (Kulturradio, 8. Oktober, um 9 Uhr 05).

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„Endlich habe ich begriffen, was den Vogel zum fliegenden Individuum macht“, schreibt Otto Lilienthal 1871 in einem Brief an seinen Bruder. Es folgen Konstruktionsskizzen und mathematische Berechnungen. Mit höchst abenteuerlichen Flugapparaten startete Lilienthal von einem Berg im Havelland, nahe der Kleinstadt Rhinow. Fast 250 Meter weit ist der träumende Erfinder damals geflogen. Hier ist er auch im Sommer 1896 zerschellt. Renate Beckmann hat Lilienthals Berg bestiegen, um etwas von der Magie früher Flugversuche zu erspüren. „Ein Traum von Leichtigkeit“ heißt ihr Feature (Kulturradio, 9. Oktober, 14 Uhr 04).

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Rainer Werner Fassbinder hat in seiner kurzen Lebenszeit nicht nur eine Menge Filme gedreht, sondern auch noch Zeit fürs Radio gehabt. Sein Hörspiel „Ganz in Weiß“ erzählt in fast mathematischer Versuchsanordnung von der Zurichtung eines jungen Mannes. Einem Fürsorgezögling werden systematisch die eigenen Gedanken und Gefühle aus dem Kopf hinaus- und die kleinbürgerlichen Normalvorstellungen in den Kopf hineingetrieben. Auch Musik von Roy Black montierte Fassbinder in sein Hörspiel, um die Zermürbung eines Menschen plausibel zu machen (Deutschlandfunk, 11. Oktober, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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