Medien : In 80 Jahren um die Welt

3sat-Film über den verschlungenen Lebensweg des in Berlin geborenen Chinesen Han Sen

Thomas Gehringer

„Ich glaube, ich gehöre zum alten Berlin”, schreibt der Mann an seine Enkelin Tanja, als er nach 70 Jahren seine Geburtsstadt wieder besucht. Er lässt sich mit dem Touristenbus durch die Straßen fahren, schaut sich etwas wehmütig in den Hinterhöfen um. Sein Name ist Han Sen, er selbst nennt sich „Ein Chinese mit dem Kontrabass“, auch wenn er nur Mundharmonika spielen kann. Die Autorin Ulla- britt Horn hat mit ihm die Schauplätze seines Lebens bereist. Die Spurensuche des Chinesen nach seinen Wurzeln wird zu einer spannenden – manchmal traurigen, manchmal komischen – Zeitreise durch ein wildes, bewegtes Jahrhundert.

Han Sens Eltern waren Kommunisten, die sich an einem Studentenaufstand in Shanghai beteiligt hatten und nach Deutschland geflüchtet waren. In Berlin waren führende Kommunisten wie der spätere Parteichef und Staatspräsident Zhou Enlai bei seinen Eltern zu Gast. Für sie zählte nur der revolutionäre Kampf, der Junge blieb einsam und auf sich gestellt. Die auf seiner Schule geförderte Selbständigkeit vertrug sich nicht mit der Parteidisziplin.

Die Politik trieb die Familie immer weiter – und Han Sen natürlich mit: 1933 ging es in die Schweiz, 1940 nach China. Den Krieg gegen Japan, den Bürgerkrieg und die ersten Herrschaftsjahre Mao Zedongs erlebte er an verschiedenen Orten mit, bis er 1955 in die Sowjetunion übersiedelte. Heute lebt er in der Ukraine. Nach Deutschland kann er nicht zurück: Für ihn sei „die Rückkehr in seine Heimat durch Ausländergesetze versperrt”, heißt es im Abspann.

„Ein Chinese und ein Kontrabass“: 3sat, 21 Uhr 15

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