Medien : In aller Freundschaft

Ganz subtil zeigt sich Korruption in deutschen Medien

Ulrike Simon

„Ein deutscher Journalist muss nicht bestochen werden, er ist stolz, eingeladen zu sein, er ist schon zufrieden, wie eine Macht behandelt zu werden.“ Mit diesem Satz von Kurt Tucholsky kann die Konferenz der Organisation „Transparency International“ überschrieben werden, die am Donnerstag in Berlin zum Nachdenken über Korruption in den Medien eingeladen hatte.

Korruption beginnt nicht erst, wenn Geld fließt. Sie offenbart sich auch subtiler. Erscheint in einer Stadt nur eine Zeitung und existiert kein publizistischer Wettbewerb, ist es wahrscheinlicher, dass vertuscht wird, was ein Unternehmen oder ein Politiker nicht veröffentlicht haben möchte. Streicht ein Verlag in der Redaktion Stellen, ist es wahrscheinlicher, dass ein Redakteur ungeprüft abschreibt, was in anderen Medien oder Pressemitteilungen vorgegeben wird. Hat die Redaktion nicht den Mut, nein zu sagen, ist es wahrscheinlicher, dass der Verlag sie dazu bringt, freundliche Berichte zu verfassen, um lukrative Anzeigen und Sonderveröffentlichungen an Land zu ziehen. Der Leser merkt das. Das wichtigste Gut eines Mediums – die Glaubwürdigkeit – leidet darunter. Verhindern lassen sich diese Auswüchse unjournalistischen Schaffens nur, wenn die Verlage auf die wirtschaftliche und die Redaktionsspitzen auf die geistige Unabhängigkeit ihrer Journalisten achten.

Korruption kann aber noch subtiler funktionieren. Unternehmen gewähren Journalisten bei Flügen oder dem Autokauf Rabatte, organisieren großzügige Pressereisen oder verteilen wertvolle Geschenke und hoffen, die Journalisten damit gefügig zu machen.

Ist es bereits Korruption, wenn anstatt materieller Vergünstigungen exklusive Informationen angeboten werden? Korruption beginnt dort, wo Gefälligkeiten mit Gefälligkeiten vergolten werden, sagte der Verleger Claus Detjen am Donnerstag.

Nähe und Vertrauen zu den handelnden Personen, über die ein Journalist schreibt, sind die besten Voraussetzungen, um an Informationen zu gelangen. Sich vereinnahmen lassen darf er jedoch nicht. Sei es zwischen Journalisten und Politikern, zwischen Journalisten und Unternehmern oder zwischen Journalisten untereinander: Vermeintliche Freundschaften und komplizenhafte Beziehungsgeflechte, Eitelkeit und der Wunsch nach Nähe und Macht sind Gründe, weshalb Journalisten Informationen vertuschen, verfälschen oder einseitig einsetzen.

Professionalität und persönliche Integrität anstelle falsch verstandener Loyalität zu Politikern, Unternehmern und Kollegen schützen vor Bestechlichkeit und Korruption, sagte Detjen. Versucht dennoch jemand, Druck auszuüben, hilft es am besten, dies öffentlich und transparent zu machen. „Wenn wir es nicht drucken, druckt es ein anderer“, zitierte der „Spiegel“-Redakteur Gunther Latsch eine journalistische Weisheit. Die Informationen könne man ja dem Kollegen eines anderen Mediums stecken. Das funktioniere meistens, denn der Kollege schulde einem dann ja auch einen Gefallen …

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