Medien : In aller Munde

Ein Arte-Film folgt dem Kaugummi bis zu seinem Rohstoff Latex

Matthias Lohre

Mit einer Machete hackt der schwitzende Mann auf den Baum ein. Eine zähe, weiße Flüssigkeit fließt aus dem Innern, rinnt hinab durch die mit dem Messer geschlagenen Kanäle und sammelt sich in einem Beutel. Ein halbes Kilogramm natürliches Latex pro Baum ist der Lohn für die Mühen. In ihren Beuteln tragen die Waldarbeiter das Chicle, den natürlichen Grundstoff für Kaugummis, zurück zu ihren Hütten mitten im Urwald. Es ist Erntezeit für die Zapote-Bäume auf der Halbinsel Yucatán im Südosten Mexikos.

Für die Dokumentation „Der Kaugummi – Einem Lebensgefühl auf der Spur" (Arte, Mittwoch um 19 Uhr) filmten Regisseur Holger Preuße und Kamerafrau Svea Andersson die Erntearbeiter in der schwülen Hitze Mittelamerikas. Die so genannten Chicleros arbeiten oft schon seit Generationen im Dschungel. Dennoch gibt einer der Arbeiter zu: Wofür er den weißen Saft erntet, weiß er selbst nicht.

Jahrzehntelang war das natürliche Latex der Grundstoff für Kaugummis in der ganzen Welt. Doch ab der Mitte des vergangenen Jahrhunderts überforderte die Nachfrage von Wrigley und Co. das Angebot, und „Chewing Gums“ aus synthetisch raffiniertem Latex beherrschen seitdem die Supermarktregale. Den etwa tausend heute noch arbeitenden Chicleros bleibt nur ein kleiner Markt für Naturprodukte.

Der schweißtreibenden Arbeit der Männer im Dschungel stellt Preußes Film immer wieder die industrielle Kaugummiherstellung in einer mexikanischen Fabrik gegenüber. Künstliche Aromen, Farbstoffe und Puderzucker ergeben in den Produktionshallen zusammen mit der Kaumasse die heute bekannten Chewing Gums. Kamera und Sprechertext lassen Bildern und Worten der Waldarbeiter Zeit, um auf den Zuschauer zu wirken. Der Film verfällt auch bei Festen der Waldarbeiter oder beim Kochen des weißen Latex in keine Sozialromantik, sondern zeichnet das Bild eines harten Lebens der Chicleros mitten im Dschungel, wochenlang getrennt von ihren Familien. Eine Beschreibung des Kaugummis als „Lebensgefühl", das der Film in seinem Titel nahe legt, bleibt hinter diesem Schwerpunkt während der 45 Minuten jedoch zurück.

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